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Spatz und die Vogelbüro-Chaostruppe – oder: Wie aus Stille Leben wurde

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    #31
    Melli83
    Ich habe auch schon überlegt, wo unsere das gelernt haben, da ich das Geräusch bei unseren Wellis, die wir in meiner Kindheit und Jugend hatten, auch noch nie gehört hatte. Unsere beiden Jungs kommen von einem Züchter, der auch noch mehrere andere Sittich- und Papageienarten züchtet, eventuell haben sie es von denen gelernt bzw. von ihren Eltern, die es von anderen Vogelarten gelernt haben Unsere binden das "pew, pew, pew" meist als Element in ihren Gesang ein.

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      #32
      Hallo liebe Melli,

      Ich beneide dich darum, wie toll du deine Geschichten erzählen kannst.
      Vielen lieben Dank dafür, dass du sie hier veröffentlichst.

      Der arme Techniker, bestimmt hat er jetzt alle Kollegen vorgewarnt. So schnell bekommst du jetzt keinen Termin mehr , wenn mal wieder die Technik spinnt.

      Liebe Grüße von Eva und den 3 Rackern

      Im Herzen und unvergessen Emilie, Hansi ,Mäxchen , Moritz und Eddie

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        #33
        Danke euch mal wieder für die lieben Komplimente 🫶
        Ich kann viele Szenen, die sich zwischen meinen Rabauken abspielen, über die Kamera beobachten. Dadurch sieht man mehr, als wenn man vor dem Käfig steht. Wobei sie sich auch nicht zurückhalten, wenn ich von zu Hause arbeite.
        Dazu noch eine gesunde Portion Humor, manchmal ein wenig Übertreibung (so wie mit der Ode an die Gurke ) und man kann schöne Geschichten draus machen
        Trugbild: nur Blue - unsere Jukebox - baut das ab und zu ins Zwitschern ein. Aber oft ist es einfach nur der Ruf.

        Dafür gibt’s heute was fürs ❤️

        🪽 Zwischen Schnabel und Herz

        Es gibt Momente im Vogelbüro, da wird es ganz still.

        Nicht die große Stille von früher.
        Keine Leere.

        Sondern diese weiche, zufriedene Ruhe, die entsteht, wenn zwei genau wissen, wo sie hingehören.

        Blue und Spatz sitzen dann dicht nebeneinander. So dicht, dass zwischen ihren Schnäbeln kaum Luft bleibt.

        Kein Drama. Kein Publikum.

        Nur ein sanftes Aneinanderlehnen.

        Manchmal berühren sich ihre Schnäbel ganz leicht. Und dann beginnt dieses leise Gurren. Kein lautes Balzgeschrei. Kein Imponiergehabe. Nur ein ruhiger, tiefer Laut, der mehr sagt als jedes „Spaaatz!“.

        Blue trippelt dabei auf der Stelle. Dieses kleine, aufgeregte Füßchen-Tanzen, als könnte er die Nähe kaum aushalten, ohne sich zu bewegen.

        Spatz bleibt ruhiger.

        Er beugt sich vor. Kraulen. Ganz sanft. Kleine, sorgfältige Bewegungen am Kopf, an den Wangenfedern. Und während er das tut, kommen aus ihm diese Töne.

        Weich. Zufrieden. Fast schnurrend.

        Blue schließt manchmal die Augen. Für einen Moment wirkt er nicht wie der eilige Dicke, der alles blockieren muss. Sondern einfach wie ein Vogel, der angekommen ist.

        Und Spatz?

        Der wirkt dann nicht wie der Casanova.
        Nicht wie der Gurkenkönig.
        Nicht wie der Schnäbel-Don.

        Sondern wie jemand, der weiß, dass Nähe nicht erkämpft werden muss.

        Manchmal sitzen sie einfach nur da. Schnabel an Schnabel. Und tauschen dieses leise Zwitschern aus, das kein Mensch übersetzen kann.

        Aber man versteht es trotzdem.

        Es ist kein großes Spektakel.

        Nur zwei Vögel, die sich gegenseitig erzählen:
        Ich bin da.
        Du bist da.
        Und das reicht.
        ​

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          #34
          Solltest Du mal ein Buch schreiben mit lustigen Welligeschichten,
          bitte ich um Mitteilung...
          Deine Schreibweise ist zauberhaft...
          und versüßt einem den Tag...

          schöne Grüße
          Elsbeth

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            #35
            Wer weiß, vielleicht wird das schon das Buch

            Dann geht es doch mal weiter:


            🪵🪽 Kiki und der Halbkreis der Zerstörung

            Es war ein ganz normaler Nachmittag im Vogelbüro.

            Die Sonne fiel schräg durchs Fenster. Ruby hing kopfüber am Käfigdach – aus Gründen, die nur Ruby kennt. Spatz versuchte mit auffälliger Unauffälligkeit, in Kikis Nähe zu balzen. Blue saß daneben wie ein selbsternannter Sicherheitsdienst mit Federkleid.

            Und dann:
            Tock.
            Tock.
            KLACK.

            Dieses Geräusch ließ alle kurz innehalten.

            Nicht, weil es neu war.

            Sondern weil man wusste, was jetzt kommt.

            Kiki hatte ihr Spielzeug erwischt.

            Holzkugeln. Lederstreifen.
            Alles aufgefädelt auf einer Metallkette.

            Ein akustischer Traum.

            Oder Albtraum.

            Sie packte den Lederstreifen mit dem Schnabel, zog ihn an – und begann zu schwingen.

            Nach links.
            KLANG.
            Nach rechts.
            KLOCK.
            Zurück nach links – diesmal mit Schwung.

            Das Spielzeug schlug gegen die Sitzstange.
            Die Holzkugeln prallten gegen den Napf.
            Eine Holzkugel hüpfte mit und verstärkte das Geräusch noch einmal.

            Das war kein sanftes Spielen.

            Das war gezieltes Rumhauen.

            Kiki hatte diesen Blick. Dieses leicht überdrehte Funkeln.
            Nicht meditativ. Nicht analytisch.

            Sondern eindeutig:
            „Heute bringe ich alles zum Scheppern.“

            Spatz duckte sich vorsorglich, als ein besonders ambitionierter Halbkreis gefährlich nah an seiner Schwanzfeder vorbeizog.

            Ruby kommentierte kopfüber trocken:
            „Ah. Sie hat wieder Spaß.“

            Blue wich einen Zentimeter zurück. Man war ja mutig. Aber nicht dumm.

            Die Halterung klirrte.
            Die Kugeln schlugen.
            Der Käfig vibrierte in leichter Resonanz.

            Kiki schwang weiter. Immer im gleichen Muster. Ein perfekter Halbkreis.

            Links.
            Rechts.
            Zurück.

            Und jedes Mal ein bisschen lauter.

            Das Ganze hatte etwas zutiefst Befreiendes.
            Kein Balzen. Kein Sozialgefüge. Kein Diplomatie-Gurkenhandel.

            Nur: Lärm.

            Nach ein paar Minuten wurde der Schwung langsamer.
            Noch ein letzter, besonders kräftiger Schlag gegen die Stange.

            KLANG.

            Dann ließ sie los.

            Die Kette pendelte nach.
            Der Napf wackelte leicht.
            Eine Sitzstange stand minimal schief.

            Kiki setzte sich daneben.

            Nicht würdevoll.

            Zufrieden.

            Als hätte sie gerade bewiesen, dass Metallkette + Holzkugel + Entschlossenheit eine sehr gute Kombination sind.

            Im Vogelbüro weiß man:

            Wenn es plötzlich metallisch klirrt und rhythmisch scheppert,
            ist es kein Unfall.

            Es ist Kiki.

            Und der Halbkreis.

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              #36
              Ich habe es bis hierher gehört. Tock, Tock, Klack.
              Sind ja nur ein paar Kilometer entfernt.

              Liebe Grüße von Eva und den 3 Rackern

              Im Herzen und unvergessen Emilie, Hansi ,Mäxchen , Moritz und Eddie

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                #37
                🥣🪽 Blue und die Hüpf-Schüssel

                Im Home-Office war es erstaunlich ruhig.

                Tastaturklackern.
                Leises Körnerpicken.
                Spatz saß am kleinen Edelstahlnapf und arbeitete konzentriert an seinem Nachmittagsprogramm.

                Blue saß daneben.
                Und beobachtete.

                Nicht hungrig.
                Nicht verzweifelt.

                Sondern mit dieser ganz speziellen Idee im Kopf.

                Spatz pickte weiter.
                Ein Körnchen hier.
                Noch eins.

                Blue beugte sich vor.

                Packte den Rand der kleinen Edelstahlschüssel mit dem Schnabel.
                Stemmt sie hoch.

                Und hob.
                ​
                Die ganze Schüssel.

                Samt Spatz.

                Klong.​

                Metall schlug gegen den großen Napf.

                Spatz machte – unfreiwillig – einen kleinen Hüpfer.

                Er setzte wieder auf. Wollte weiterpicken.

                Blue hob erneut an.

                Klong.

                Spatz hüpfte wieder.

                Ein perfekter Mini-Trampolin-Effekt.

                „Blue!“, kam es vom Schreibtisch.

                Streng gemeint.
                Aber noch kontrolliert.

                Blue ließ kurz los.
                Sah Spatz an.
                Sah die Schüssel an.

                Und hob wieder.

                Klong.

                Spatz, inzwischen sichtlich irritiert, versuchte beim Landen weiterzupicken. Ein Körnchen flog. Der Napf wackelte.

                Nach dem dritten oder vierten Hüpf-Moment wurde klar: Jetzt ging es nicht mehr ums Fressen. Spatz spannte die Beinchen an, verlagerte sein Gewicht – und konzentrierte sich deutlich mehr darauf, nicht von der Schüssel zu rutschen, als noch Körner zu sortieren.

                Blue hatte Spaß.

                Richtigen Spaß.

                Nicht aus Futterneid – das hier war Performance.

                „Du bist so ein Vollpfosten!“, kam es vom Schreibtisch.
                Und dann: Lachen. Richtiges, unkontrolliertes Lachen.

                Spatz hüpfte noch einmal.

                Blue ließ die Schüssel fallen, als hätte er gerade einen perfekten Act beendet.

                Mission erfüllt.

                Aufmerksamkeit: gesichert.
                Action: geliefert.
                Spatz: leicht durchgeschüttelt.

                Spatz blieb einen Moment sitzen.
                Schaute Blue an.
                Schaute die Schüssel an.

                Und pickte weiter.

                Mit der Würde eines Vogels, der beschlossen hat, dass er sich von niemandem aus dem Konzept bringen lässt.

                Blue setzte sich daneben.
                Sehr zufrieden.

                Die Tastatur klackte wieder.

                Falls jemand fragt, was dieses metallische Klong war –
                kein Erdbeben.

                Nur Blue.
                ​

                Zuletzt geändert von Melli83; 27.02.2026, 23:53.

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                  #38
                  💧🥒 Bevor es klackte

                  Ich war noch nie ein großer Trinker.

                  Wasser war früher nicht immer selbstverständlich.
                  Manchmal stand es da. Manchmal nicht.
                  Man gewöhnt sich an so etwas.

                  Als ich zur Menschin kam, war es plötzlich jeden Tag frisch. Klar. Verlässlich.

                  Aber Gewohnheiten verschwinden nicht so schnell.

                  Und Gurke liebe ich, ja. Aber nicht jeden Tag. Man hat schließlich Ansprüche.

                  Das Problem ist nur: Mein Bauch sieht das anders.

                  Es beginnt immer harmlos.
                  Ein Ziehen.
                  Ein Drücken.
                  Ich setze mich hin. Versuche. Drücke.
                  Es kommt nur mit Anstrengung. Und manchmal quietsche ich dabei ein bisschen. Nicht vor Drama. Vor Kraft.

                  Die Menschin schaut dann schon so.

                  Ich tue so, als wäre alles in Ordnung.

                  Manchmal geht es wieder weg.

                  Manchmal nicht.

                  Wenn es nicht weggeht, wird mir übel. Richtig übel.
                  Dann sitze ich da und es hört nicht auf. Minutenlang.
                  Das ist kein Spaß. Nicht mal für einen Gurkenkönig.

                  Dann kommt dieser Moment.

                  Die Menschin bewegt sich schneller.

                  Und plötzlich bin ich in ihren Händen.
                  Huch. Das ging schnell.

                  Transportbox.
                  Tuch darüber.
                  Und dann bewegt sich alles. Laut. Ruckelig.

                  Sie spricht mit mir. Die ganze Zeit.
                  Ich lege den Kopf auf diese seltsame Stange in der Box und antworte. Leise. Es ist gut, dass sie redet.

                  Dann wird es hell.

                  Tierarzt.

                  Och nö.

                  Da wird man betatscht.
                  Da wird geguckt.
                  Und manchmal kommt dieses Stäbchen.

                  In den Kropf.

                  Würg.

                  Am nächsten Tag schmeckt das Futter komisch.

                  Ich verweigere erst mal. Man muss ja Haltung zeigen.

                  Es gibt Hirse.
                  Na gut.

                  Am Tag danach schmeckt es immer noch komisch.
                  Und das Wasser und die Gurke schmecken anders.

                  Nicht schlecht.
                  Nur anders.

                  Aber mein Bauch mochte es.

                  Also fraß ich.
                  ​
                  Und irgendwann – ganz langsam – wird es besser.

                  Weniger Ziehen.
                  Weniger Pressen.
                  Weniger Übelkeit.

                  Und Blue sitzt neben mir.

                  Er klopft gegen den Napf.
                  Schaut mich an.
                  Trinkt selbst.
                  Wartet.
                  Ich mache mit.

                  Weil er so darauf besteht.
                  ​

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                    #39
                    🚿🪽 Das große Psch-Psch-Abenteuer


                    Es kündigt sich an.

                    Nicht laut.
                    Aber eindeutig.

                    Hinter dem Käfig baumeln plötzlich Handtücher wie geheimnisvolle Bühnenvorhänge. Die Luft verändert sich.

                    Spatz weiß es sofort.

                    Er sitzt schon bereit auf seiner umgedrehten T-Stange. Flügel minimal angehoben. Blick fest auf den Menschen gerichtet. Haltung: Profi.

                    Aus dem Bad kommt dieses leise, prüfende
                    „psch-psch“.

                    Spatz’ Augen leuchten.

                    Der erste feine Nebel trifft das Gitter.

                    Spatz beugt sich hinein, flattert, dreht sich, hebt die Flügel noch ein Stück weiter an – als hätte er den Monsun persönlich bestellt.

                    Blue beobachtet kurz, entscheidet sich dann ebenfalls für Regenzeit und stellt sich dazu. Kontrolliert. Würdevoll. Tropfend.

                    Ruby kennt keine Zurückhaltung.

                    Sie hängt am Gitter, breitet die Flügel weit aus und schüttelt sich wie eine tropische Tänzerin im Sommerregen. Jeder Tropfen ist willkommen. Sie dreht sich, kippt den Kopf, genießt es mit voller Überzeugung.

                    Und Kiki?

                    Beim ersten Sprühstoß war sie weg.

                    Ein Satz. Zwei Flügelschläge. Sicherheitsposition auf der Treppe.

                    Von dort aus dieser Blick.

                    Der sehr deutlich sagte:
                    „Ihr seid nicht ganz dicht.“

                    Nasswerden?
                    Freiwillig?

                    Unverständlich.

                    Sie blieb trocken. Immer.
                    Zumindest fast immer.

                    Erst wenn das „psch-psch“ verstummte, die Handtücher wieder verschwanden und das Gitter voller glänzender Tropfen hing, kam sie näher.

                    Ganz vorsichtig.

                    Hüpfte ans Gitter.

                    Und begann, die Tropfen einzeln abzulecken.

                    Konzentriert. Zufrieden. Trocken.

                    Das war ihre Version von Wellness.

                    Während Spatz sich noch aufplustert wie ein durchnässter König,
                    Blue zufrieden tropft
                    und Ruby ein letztes Mal die Flügel mit dramatischer Eleganz ausschüttelt,

                    arbeitet Kiki sich methodisch von Tropfen zu Tropfen.

                    Und nur ein einziges Mal – viel später – blieb sie einen Moment länger stehen, als der Nebel begann.

                    Vielleicht, weil sie es doch wissen wollte.

                    Aber das ist eine andere Geschichte.

                    ​

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                      #40
                      🌿 Der Tag, an dem plötzlich alles anders war

                      Bis dahin war Kiki einfach Kiki.

                      Sie war wach, neugierig, freundlich.
                      Sie spielte mit ihren Kugeln, flog ihre Runden und machte zwischendurch ihre berühmten Flunder-Pausen auf dem Käfigdach.

                      Manchmal saß sie bei mir.
                      Manchmal versuchte sie, mit mir zu schmusen.
                      Manchmal saßen wir einfach nebeneinander und haben ein bisschen mit der Menschin gequatscht.

                      Sie fraß gut.
                      Sie trank gut.
                      Sie wirkte zufrieden.

                      Nichts deutete darauf hin, dass irgendetwas nicht stimmen könnte.

                      Und dann – plötzlich – tat es das.

                      Eben hatte sie noch gefressen.

                      Im nächsten Moment saß sie da und würgte.
                      Immer wieder.
                      Als würde sie versuchen, etwas loszuwerden, das einfach nicht verschwinden wollte.

                      Die Menschin war nicht zu Hause.

                      Aber sie wusste trotzdem, dass daheim etwas nicht stimmt.

                      Kurz darauf kam der andere Mensch ins Zimmer.

                      Futter raus.
                      Wasser neu.
                      Gemüse weg.

                      Niemand wusste ja, was los war.

                      Und wenig später kam auch die Menschin.

                      Sehr schnell.

                      Sie sprach noch mit jemandem am Telefon, während sie schon nach der Transportbox griff.

                      Dann war klar:

                      Kiki sollte heute noch zum Tierarzt.

                      Das Einfangen war schwierig.

                      Kiki fühlte sich nicht gut, aber sie war trotzdem schnell.
                      Sehr schnell.

                      Es brauchte mehrere Versuche, bis die Menschin sie endlich hatte.

                      Im Auto war sie ruhig.

                      Ab und zu machte sie diese kleinen Laute, die immer ein bisschen wie ein „Bussi“ klangen.
                      Sie hörte auf die Stimme der Menschin.
                      Das tat sie immer.

                      Beim Tierarzt wurde viel untersucht.

                      Der Kropf.
                      Der Kot.

                      Im Kot fand sich eine ganze Menge Macrorhabdus.

                      Die Menschin kannte den Namen schon.
                      Und sie wusste, dass das nicht immer gut ausgeht.

                      Aber Kiki hatte noch ein gutes Gewicht.
                      Sie war nicht abgemagert.
                      Nicht schwach.

                      Vielleicht – sagte der Tierarzt – ließ sich das gut behandeln.

                      Die erste Portion Ampho bekam sie gleich dort.

                      Am Abend sollte sie noch einmal etwas bekommen.

                      Es war ein bisschen ein Kampf.

                      Die Menschin wickelte sie in ein Mikrofasertuch, wie einen kleinen Wrap.
                      Aber Kiki hatte ihre eigene Technik.

                      Sie drehte sich.
                      Und drehte sich.
                      Und drehte sich weiter.

                      Wie eine kleine Schiffsschraube, die entschlossen war, aus jeder Hand wieder herauszukommen.

                      Der Tierarzt hatte weniger Probleme.

                      Aber selbst er musste lachen.

                      So viel Wehrhaftigkeit –
                      ohne ein einziges Beißen.

                      Am Ende bekam Kiki ihr Medikament über das Trinkwasser.

                      Und das funktionierte erstaunlich gut.

                      Sie trank.
                      Sie fraß.

                      Und ihr Gewicht blieb stabil.

                      Mehr noch:
                      Sie legte sogar ein kleines bisschen zu.

                      Sechs Wochen später kam der Kontrolltermin.

                      Wieder Tierarzt.
                      Wieder Proben.

                      Und diesmal fand sich nichts mehr.

                      Kein Macrorhabdus.

                      Nicht im Kot.
                      Nicht einmal in den gesammelten Proben.

                      Kiki war fit.

                      Sie flog.
                      Sie spielte.
                      Sie quatschte mit der Menschin.

                      Unser kleines Engelchen war wieder ganz die Alte.
                      Fröhlich. Wach. Mittendrin.

                      Wir hatten es geschafft.
                      ​
                      ​

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                        #41


                        Ich lese die Geschichten zu gerne, sie sind ganz toll geschrieben!

                        Viele liebe Grüße von Felo Roland sowie von Fritzchen, Johann, Emil und Heinzi. Julchen, Erna und Paulchen werden immer bei uns sein.

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                        •   Werbung nur für Gäste


                          #42
                          Danke für das Kompliment rolet 😊



                          🚪🪽 Besuch mit Gurkenproblem

                          Eines Morgens waren wir noch gar nicht richtig wach.

                          Die Menschin war zwar schon in der Wohnung unterwegs, aber das wichtigste Ritual des Tages hatte noch nicht stattgefunden:
                          Frisches Futter.
                          Frisches Wasser.
                          Ein kurzer morgendlicher Austausch über die Weltlage im Vogelbüro.

                          Wir saßen also noch ein bisschen verschlafen auf unseren Stangen, als plötzlich—
                          Klingel.

                          Alle Köpfe hoch.
                          Die Menschin ging zur Tür.
                          Und kam… nicht allein zurück.

                          Neben ihr stand eine andere Menschin.

                          Wir kannten sie.
                          Also… gesehen hatten wir sie schon einmal.
                          Aber sie gehörte nicht zum normalen Ablauf. Sie hatte uns bisher nie näher beachtet und war auch nie an unseren Käfig gekommen.

                          Dieses Mal war es anders.
                          Sie kam näher.
                          Sehr viel näher.

                          Sie blieb vor unserem Käfig stehen, beugte sich leicht vor und schaute uns an, als würde sie versuchen, sich vier kleine gefiederte Persönlichkeiten einzuprägen.

                          Unsere Menschin begann zu erklären.
                          Sehr viel.

                          Sie zeigte auf Dinge.
                          Auf Näpfe.
                          Auf Türen.
                          Auf Plätze im Zimmer.

                          Ich verstand natürlich nicht alles.

                          Aber ein paar Wörter fielen immer wieder.

                          „Lüften.“
                          „Wasser.“
                          „Futter.“
                          „Laxatract.“
                          „Gurke.“

                          Bei Gurke passierte etwas Interessantes.

                          Die andere Menschin verzog das Gesicht.
                          Nicht dramatisch.
                          Aber deutlich.

                          Ich legte den Kopf schief.

                          Wie kann man bei Gurke so schauen?

                          Das ist schließlich Währung.

                          Der Rest des Gesprächs bestand aus vielen Nicken, Zeigen und Erklären.
                          Dann gingen sie wieder.

                          Am Abend passierte das gleiche noch einmal.
                          Klingel.
                          Die Menschin kam wieder mit der anderen Menschin ins Zimmer.
                          Dieses Mal begann sie direkt mit unserem Abendprogramm.

                          Näpfe kontrollieren.
                          Wasser wechseln.
                          Ein bisschen reden.

                          Währenddessen erklärte sie weiter alles.
                          Die andere Menschin hörte aufmerksam zu.

                          Ab und zu machte sie sogar ein paar Handgriffe selbst.
                          Genau die gleichen, die normalerweise unsere Menschin machte.

                          Ich beobachtete das sehr genau.
                          Man muss schließlich wissen, wer hier was tut.

                          Dann kam der Moment der Wahrheit.
                          Die Gurke.

                          Die andere Menschin nahm sie aus dem Käfig.
                          Und wieder dieser Blick.
                          Dieses leicht angewiderte Gesicht, als hätte sie gerade etwas sehr Verdächtiges entdeckt.

                          Ich schaute zu Blue.
                          Blue schaute zu mir.
                          Ruby machte irgendwo im Hintergrund ein empörtes kleines piu-piu.

                          Und Kiki saß da und sah aus, als würde sie still darüber nachdenken, ob diese neue Menschin vielleicht noch eine sehr wichtige Sache lernen musste.

                          Im Vogelbüro gibt es schließlich Regeln.

                          Und eine davon lautet ganz eindeutig:
                          Gurke ist keine Option.

                          Gurke ist Pflichtprogramm.

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                            #43
                            🧳🪽 Der erste Tag ohne Menschin

                            Der Morgen begann eigentlich ganz normal.

                            Die Menschin machte unser Morgenprogramm.
                            Frisches Wasser.
                            Frisches Futter.
                            Und natürlich Gurke.

                            Dann machte sie den Käfig sauber.

                            Sand wurde gewechselt.
                            Papier neu gelegt.
                            Stangen abgewischt.

                            Alles ordentlich.
                            So, wie immer.

                            Nur danach hörte es nicht auf.

                            Normalerweise setzt sich die Menschin dann an ihren Platz.
                            Die Musik läuft im Hintergrund.
                            Man hört das Klackern der Tastatur.

                            Blue kommentiert irgendetwas Wichtiges.
                            Ruby erzählt Neuigkeiten vom Fenster.
                            Und ich prüfe, ob die Gurke heute wieder die gewohnte Qualität hat.

                            An diesem Morgen war es anders.

                            Die Menschin lief ständig hin und her.

                            Sachen wurden getragen.
                            Taschen.
                            Noch mehr Taschen.

                            Der Mensch war auch unterwegs.

                            Aus dem Flur hörte man ständig Stimmen.
                            „Hast du?“
                            „Wo ist?“
                            „Pack das noch“

                            Die Menschin rief etwas.
                            Der Mensch rief zurück.

                            Es klang ein bisschen so, als würden sie versuchen, ein besonders kompliziertes Nest zu bauen.
                            Nur viel lauter.

                            Wir beobachteten das.

                            Blue mit diesem kritischen Blick, den er immer hat, wenn Menschen unkoordiniert wirken.
                            Ruby von der Käfigkante aus.
                            Kiki ruhig von ihrer Stange.

                            Ich hatte das Gefühl, dass heute irgendetwas anders ist.

                            Dann kam die Menschin noch einmal zu uns.
                            Ganz nah an den Käfig.

                            Sie beugte sich herunter und sprach leise.
                            „Seid schön brav.“
                            Kurze Pause.
                            „Keine Abstürze.“

                            Sie lächelte.

                            „Ich bin bald wieder da. Hab euch lieb.“

                            Dann ging sie.
                            Die Tür schloss sich.

                            Die Musik lief weiter.
                            Wir fraßen.
                            Wir flogen.
                            Wir unterhielten uns.

                            Aber irgendetwas fehlte trotzdem.

                            Am Abend hörten wir das Türschloss.
                            Dann Schritte.
                            Und sofort fiel etwas auf.

                            Es kam kein Pfeifen.

                            Normalerweise pfeift die Menschin immer, wenn sie nach Hause kommt.
                            So ein kleines, fröhliches Pfeifen, das durch die Wohnung zieht und uns sagt:
                            Alles gut. Menschin ist wieder da.

                            Dieses Mal war es still.

                            Dann kam jemand ins Zimmer.
                            Nicht unsere Menschin.

                            Sondern die andere Menschin.
                            Die mit dieser sehr skeptischen Meinung über Gurken.
                            ​
                            Sie kam zum Käfig und schaute uns an.
                            Und begann vorsichtig mit dem Abendprogramm.

                            Wasser wechseln.
                            Näpfe kontrollieren.

                            Sie machte alles richtig.
                            Fast.

                            Nur eines war klar:
                            Sie war nett.

                            Aber sie war nicht unsere Menschin.
                            ​

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                              #44
                              🥒🪽 Die Woche mit der anderen Menschin

                              Am nächsten Morgen kam sie wieder.

                              Nicht unsere Menschin.
                              Die andere.

                              Die Tür ging auf.

                              Und wieder fiel sofort etwas auf.
                              Kein Pfeifen.

                              Sie kam einfach herein.

                              Schlüssel.
                              ​Tür.
                              Schritte.

                              Das war ungewohnt.

                              Sie kam zum Käfig.
                              Schaute uns an.
                              Und begann vorsichtig mit dem Morgenprogramm.

                              Wasser wechseln.
                              Futter auffüllen.

                              Dann kam die Gurke.

                              Sie hielt die Scheiben kurz hoch.
                              Und machte wieder dieses Gesicht.

                              Dieses sehr skeptische Gesicht, als würde sie versuchen zu verstehen, warum vier Wellensittiche ein so großes Interesse an einer grünen Scheibe haben.
                              Sie steckte sie trotzdem zwischen die Gitter.

                              Pflichtbewusst.

                              Ich musste zugeben:
                              Das war korrektes Verhalten.

                              Normalerweise wäre an dieser Stelle schon viel los gewesen.
                              Unsere Menschin bekommt morgens immer ein komplettes Konzert.
                              Zwitschern.
                              Balzen.
                              Diskussionen über Gurkenqualität.

                              Blue kommentiert alles.
                              Ruby erzählt Geschichten vom Fenster.
                              Kiki wirft gelegentlich ihre leisen „Bussi“-Laute ein.
                              Und ich erkläre grundsätzlich jedem, der zuhören will, wie wichtig Gurke im Alltag ist.

                              Bei der anderen Menschin war es
                              ruhig.
                              Sehr ruhig.

                              Wir beobachteten.

                              Blue saß da wie ein kritischer Prüfer.
                              Ruby schaute mit leicht geneigtem Kopf.
                              Kiki war still.
                              Ich ebenfalls.

                              Die andere Menschin bemerkte das irgendwann.
                              „Ihr seid aber ruhig“, sagte sie.

                              Sie sprach freundlich mit uns.
                              Erklärte Dinge.
                              So ähnlich wie unsere Menschin das auch machte.

                              Wir hörten zu.
                              Sehr aufmerksam.

                              Man muss schließlich wissen, wie jemand arbeitet.

                              Am Abend kam sie wieder.
                              Das gleiche Programm.

                              Wasser.
                              Futter.
                              Und die Gurke wieder raus.

                              Und wieder dieser skeptische Blick auf die grüne Scheibe.

                              Ich begann zu vermuten, dass sie Gurke persönlich nicht besonders schätzt.
                              Aber sie brachte sie trotzdem.

                              Jeden Tag.

                              Das muss man ihr lassen.

                              Langsam wurde klar:
                              Sie war anders.

                              Aber sie gab sich Mühe.
                              Und das merkt man auch im Vogelbüro.

                              Selbst wenn man jemanden zunächst sehr gründlich beobachtet.
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                                #45
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                                Wieder super tolle Geschichten 👍

                                .

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