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Spatz und die Vogelbüro-Chaostruppe – oder: Wie aus Stille Leben wurde

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    #46
    Danke Sunny 7

    Jetzt habe ich länger nicht geschrieben, als ich damals im Urlaub war
    Also gibt es mal wieder eine Geschichte:


    🏠🪽 Als die Menschin wiederkam

    Eines Abends ging die Tür auf.

    Schritte im Flur.
    Und dann—
    ein Pfeifen.
    Dieses kleine, vertraute Pfeifen, das durch die Wohnung zieht und schon sagt, wer da kommt, bevor man sie sieht.

    Es dauerte ungefähr eine halbe Sekunde.
    Dann kam der erste Ruf aus dem Vogelbüro.

    Klar.
    Durch die ganze Wohnung.

    Kiki.

    Auch ich antwortete sofort mit meinem Ruflaut.
    Sie muss ja wissen, dass ich da bin!

    Und dann:

    „Piu!“
    „Piu!“

    Blue.
    Ruby.

    Sehr eindeutig.

    Die Tür ging auf.

    Schritte ins Zimmer.

    Und dann kam sie.

    Unsere Menschin.

    Danach ging das Gequatsche los.

    Zwitschern.
    Antworten.
    Noch mehr Zwitschern.

    Die Menschin lachte.
    „Na, ihr Rabauken?“

    Sie kam zum Käfig, schaute uns an und redete mit uns, so wie immer.

    Ich saß auf meiner Stange und beobachtete das.

    Blue war sofort sehr beschäftigt damit, alles zu kommentieren.
    Ruby erzählte offenbar eine ganze Menge gleichzeitig.
    Kiki saß ruhig da und hörte zu.

    Es fühlte sich… normal an.

    Die andere Menschin war nett gewesen.
    Sie hatte alles richtig gemacht.
    Aber jetzt war wieder die richtige Stimme im Zimmer.
    Die richtige Art zu reden.
    Und die richtige Art, Gurkenscheiben zwischen die Gitter zu stecken.

    Ob wir uns gefreut haben?

    Schwer zu sagen.

    Wir sind schließlich Wellensittiche.

    Aber das Gequatsche im Vogelbüro wurde an diesem Abend deutlich länger als sonst.
    Und das sagt eigentlich alles. 💚
    ​

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      #47
      ☀️🪽 Siesta mit Flunder

      Die Mittagszeit im Vogelbüro hat ihre eigene Ruhe.

      Nicht still – still wird es hier nie – aber gedämpft. Als hätte jemand das ganze Zimmer ein kleines bisschen leiser gedreht. Die Bewegungen werden langsamer, die Stimmen seltener, und selbst Ruby hängt ein wenig weniger kopfüber als sonst. Es ist die Zeit, in der man ein Bein einzieht, das Gefieder auflockert und so tut, als würde man schlafen.

      Ich sitze dann meistens irgendwo in der Nähe. Nicht ganz bei den anderen, nicht ganz allein. So, dass ich alles im Blick habe.

      Und manchmal sitzt Kiki nicht bei uns.
      Manchmal sitzt sie bei der Menschin.
      Hinter ihr, auf der Anflugklappe.

      Flach.

      So flach, dass man sich fragt, ob sie eigentlich noch sitzt oder schon geschmolzen ist. Die berühmte Flunder-Position. Füße irgendwo unter ihr, Bauch auf der Fläche, vollkommen unbeeindruckt von der Welt.

      Von dort aus beobachtet sie.

      Die Menschin. Den Raum. Alles.

      Die Menschin sitzt am Schreibtisch. Man hört das leise Klacken der Tastatur, gleichmäßig, ruhig, fast wie ein Hintergrundgeräusch, das schon immer da war.

      Eine Weile passiert nichts.

      Dann macht Kiki ein Geräusch.

      Leise. Ein kleines Pfeifen.

      Nicht laut genug, um Aufmerksamkeit zu verlangen. Aber genau richtig, um sie zu bekommen.

      Die Menschin antwortet.
      Ebenso leise. Ein Ton zurück.

      Kiki hebt leicht den Kopf. Nicht viel. Nur so, dass klar ist: Das war kein Zufall.

      Dann kommt noch ein Ton.
      Und noch einer.

      Und irgendwann ist es kein einzelnes Geräusch mehr, sondern ein kleines Gespräch. Hin und her, Ton für Ton, als hätten sich zwei auf eine Sprache geeinigt, die niemand sonst so ganz versteht.

      Ich beobachte das.
      Blue auch.

      Blue hält es ungefähr drei Sekunden aus, nicht beteiligt zu sein.
      Dann rückt er näher. Ganz vorsichtig. Seitlich. Unauffällig. Als würde man ihn nicht sehen.

      Kiki sieht ihn.
      Natürlich sieht sie ihn.

      Sie wartet genau einen Moment zu lange – und gibt ihm dann eine kleine, sehr gezielte Kopfnuss.
      Nicht fest. Aber eindeutig.

      Blue weicht zurück. Einen Schritt. Setzt sich hin. Und tut so, als hätte er sowieso nur zufällig in diese Richtung geschaut.
      Das nimmt ihm natürlich keiner ab.

      Kiki ist wieder bei der Menschin.
      Das Gespräch geht weiter.

      Jetzt richtet sie sich ein kleines Stück auf. Nicht ganz, nur so weit, dass sie sich bewegen kann. Ihr Kopfgefieder stellt sich langsam auf, Feder für Feder, und mit ihm kommt dieses kurze, wellige Pfeifen, das fast wie ein leises Gurren klingt.

      Dann beginnt sie, Dinge anzutippen.

      Die Anflugklappe.
      Tiptiptip.

      Das Gitter.
      Tiptiptip.

      Ein Spielzeug, das gerade in Reichweite ist.

      Immer mit einem Blick zur Menschin.
      Als würde sie fragen, ob alles verstanden wurde.

      Und die Menschin antwortet. Mit Pfeifen, mit kleinen Lauten, mit genau dem richtigen Timing.

      Es passt.
      Es passt so gut, dass selbst ich kurz vergesse, die Augen zu schließen.

      Das Ganze hat nichts von Balz. Nichts von Wettbewerb. Nichts von diesem üblichen Durcheinander.

      Es ist… ruhig.

      Kiki wird irgendwann wieder langsamer.
      Das Gefieder legt sich an. Die Bewegungen hören auf.

      Sie sinkt zurück in ihre Flunder-Position, breit, entspannt, zufrieden, als hätte sie gerade etwas Wichtiges erledigt.

      Die Menschin arbeitet weiter. Die Tastatur klackt.

      Und hinter ihr liegt Kiki.

      Ganz nah.
      Und sagt nichts mehr.

      Ich schließe die Augen.
      Aber nicht ganz.

      Man weiß ja nie, ob noch etwas passiert. 💚
      ​

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        #48
        🚿🪽 Der Tag, an dem Kiki blieb

        Man merkt es immer ein bisschen früher als die anderen. Noch bevor der erste Tropfen fällt, verändert sich etwas. Die Menschin bewegt sich anders, hinter dem Käfig tauchen plötzlich diese Handtücher auf, die wie Vorhänge wirken, und aus dem Bad kommt dieses leise, prüfende „psch-psch“, das nur eines bedeutet: Es wird gleich regnen.

        Ich sitze dann schon bereit. Auf meiner T-Stange, ein kleines Stück erhöht, mit leicht angehobenen Flügeln. Nicht zu viel – man will ja nicht ungeduldig wirken. Aber genug, um klarzumachen: Ich bin vorbereitet. Ruby ist nie weit weg, wenn es losgeht, sie hängt schon am Gitter, als würde sie nur darauf warten, dass der Himmel endlich aufmacht. Blue beobachtet das Ganze erst einmal, so, als müsste er sich jedes Mal neu überlegen, ob er wirklich nass werden will – obwohl wir alle wissen, dass er gleich mitten drin steht.

        Und Kiki sitzt am anderen Ende. Wie immer. Mit diesem Abstand, den sie sich selbst gibt. Nicht ängstlich, nicht nervös – einfach entschieden.

        Der erste feine Nebel trifft das Gitter, und ich gehe hinein. Der Regen ist leicht, genau richtig. Ich drehe mich ein Stück, hebe die Flügel, lasse die Tropfen über das Gefieder laufen und genieße es. Es ist jedes Mal gleich – und jedes Mal genau so gut. Ruby ist sofort dabei, ohne Zurückhaltung, ohne Zweifel. Blue kommt kurz darauf dazu, setzt sich ein Stück daneben und lässt den Regen einfach passieren.

        Erst später merke ich, dass etwas anders ist. Es ist kein Geräusch, kein plötzlicher Moment – eher ein Fehlen. Ich schüttele mich, blinzle kurz und schaue nach rechts.

        Kiki ist noch da.

        Nicht geflüchtet. Sie sitzt einfach dort, wo sie vorher war, und beobachtet. Dann hebt sie ab. Kein hektischer Flügelschlag, kein Ausweichen – nur ein kurzer, ruhiger Flug zur anderen Seite. Zu uns.

        Ich halte inne. Blue auch. Ruby bewegt sich ein kleines Stück zur Seite, ohne wirklich aus dem Regen zu gehen. Man musste ja sehen, was jetzt passiert.

        Kiki setzt sich ans Gitter, ein Stück entfernt. Der Nebel erreicht sie. Ein Tropfen. Noch einer. Sie bleibt sitzen. Dann rückt sie ein kleines Stück näher. So weit, dass der feine Regen sie richtig trifft.

        Und plötzlich schüttelt sie sich.

        Nicht vorsichtig. Nicht halb. Sondern richtig – so wie bei ihren Badeaktionen, dieses entschlossene, vollständige Schütteln, bei dem das Wasser in alle Richtungen fliegt.

        Ich glaube, ich habe kurz vergessen, den Regen zu genießen. Blue starrt. Ruby auch.

        Kiki sitzt neben mir im Regen. Einfach so.

        Kein Blick, der sagt „ihr seid nicht ganz dicht“. Keine Bewegung zurück. Sie plustert sich leicht auf, lässt die Tropfen ins Gefieder, schüttelt sich noch einmal und bleibt dann einfach sitzen, als hätte sie beschlossen, dass es heute anders ist.

        Von irgendwo außerhalb höre ich die Menschin leise sprechen. Ein erstaunter Ton, den ich nicht ganz einordnen kann. Der andere Mensch antwortet. Ich höre nicht richtig hin. Ich schaue Kiki an.

        Wir sitzen nebeneinander im Regen. Es fühlt sich… normal an. Als hätte es das schon immer gegeben.

        Nach einer Weile wird es ihr genug. Sie geht, ganz ruhig, ohne Eile, zur Außentreppe, setzt sich dort hin und beginnt, sich gründlich zu putzen. Feder für Feder, konzentriert, sorgfältig – so, wie sie alles macht.

        Ich bleibe noch einen Moment im Niesel, schüttle mich schließlich und sehe zu ihr hinüber.

        Sie sieht aus wie immer.

        Und doch ein kleines bisschen anders. 💚
        ​

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          #49
          🌿🪽 Der Tag, an dem es wieder begann

          Die Morgenroutine begann wie immer.

          Die Menschin brachte frisches Futter, Wasser und glänzende Gurkenscheiben. Alles roch vertraut, alles sah aus wie an jedem anderen Tag.

          Ruby und Kiki saßen sofort an den Näpfen und suchten sich die schönsten Körner heraus. Es klang nach diesem leisen, gleichmäßigen Knacken, das entsteht, wenn alles in Ordnung ist.

          Dann hörte Kiki auf zu fressen.

          Nicht langsam.
          Nicht zögernd.
          Einfach so.

          Sie würgte.
          Spuckte.
          Schüttelte sich.

          Und hörte nicht mehr auf.

          Die Geräusche passten nicht zu diesem Morgen. Sie gehörten nicht hierher.

          Die Menschin schaute hin. Lange. Mit diesem Blick, den sie bekommt, wenn sie etwas sieht, das ihr nicht gefällt.

          Aber sie machte erst einmal weiter. Bewegte sich durch das Zimmer, wie immer, nur ein kleines bisschen schneller.
          Wir hörten sie sprechen. In dieses kleine Kästchen, das sie manchmal bei sich trägt. Ihre Stimme war ruhig, aber anders. Ich verstand die Worte nicht. Nur, dass sie wichtig waren.

          Dann war sie weg.

          Für eine Weile war es stiller als sonst.
          Kiki saß da.
          Und wir wussten nicht, was wir tun sollten.

          Die Menschin kam früher zurück als sonst. Ihre Schritte waren schneller. Zielgerichteter.
          Sie bereitete die Transportbox vor.
          Das Geräusch allein reichte.

          Kurz darauf griff ihre Hand nach Kiki.
          Kiki wehrte sich kaum.
          Sie setzte sie in die Box.

          Ich rief nach ihr.
          Sie antwortete.

          Dann wurde sie weggetragen.
          Die Tür ging zu.
          Und es war wieder still.

          Sehr viel später kamen sie zurück.

          Kiki sah anders aus.
          Das Gefieder ein wenig zerzaust.
          Die Bewegungen langsamer.
          Sie wirkte müde.

          Die Menschin auch.

          Sie stellte die Box ab, sprach leise mit ihr, beobachtete sie lange.

          Am Abend kam die Hand wieder.
          Dieses Mal mit etwas in ihr.
          Einer kleinen Spritze.

          Sie nahm Kiki erneut.
          Ich sah zu.

          Und ich dachte mir:
          Ich glaube, das heißt nichts Gutes.
          ​

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            #50
            🌿🪽 Die Tage, die blieben

            Die ersten Tage waren anstrengend.
            Für Kiki.
            Und für die Menschin.

            Abends kam die Hand mit dieser kleinen Spritze. Die Menschin sprach leise mit ihr, bewegte sich vorsichtig, nahm sich Zeit. Sie versuchte alles, um es Kiki so angenehm wie möglich zu machen. Aber das war es nicht.
            Für keine von beiden.

            Kiki begann, sich zurückzuziehen. Wenn die Menschin kam, drückte sie sich in eine Ecke, so klein wie möglich, als könnte sie dadurch verschwinden. Die Abendhirse nahm sie nur noch von dem anderen Menschen. Bei der Menschin blieb sie auf Abstand.
            Das tat weh beim Zuschauen.
            Die Menschin wollte ihr helfen.
            Aber Kiki wich ihr trotzdem aus.

            Eine Weile ging es so. Dann fing es wieder an:
            Würgen.
            Spucken.
            Es kam plötzlich. So wie beim ersten Mal.

            Die Hand kam.
            Die Transportbox.
            Und Kiki war weg.
            Die Tür ging zu.
            Und es wurde still.
            Die Menschin kam später zurück.
            Ohne sie.
            Sie bewegte sich langsamer. Sagte nichts für einen Moment. Stand einfach nur da.

            Ich wartete.
            Wir warteten.

            Aber Kiki kam nicht.
            Ich rief nach ihr.
            Keine Antwort.
            Die Menschin kam näher, sprach leise mit uns.
            „Kiki kommt bald wieder heim.“
            Ich hörte zu.
            Aber irgendetwas daran fühlte sich anders an.

            Kiki blieb weg.
            Drei Tage lang.

            Die Menschin kam jeden Tag zurück, roch anders, sprach leiser als sonst. Man merkte, dass sie mit ihren Gedanken woanders war.

            Wir warteten.
            Am dritten Tag kam sie zurück.
            Mit Kiki.
            Ich erkannte sie sofort. Und doch… war etwas anders.

            Sie war leichter geworden. Ihre Bewegungen vorsichtiger, als würde jede davon Kraft kosten.
            Die Menschin sprach viel mit ihr. Leise. Ruhig.

            Kiki fraß ein wenig.
            Aber nicht wie früher.

            Die Tage vergingen.
            Vier waren es.
            Und mit jedem Tag wurde sie stiller.

            Am dritten Tag saß sie nur noch da.
            Plustert.
            Sie bewegte sich kaum.

            Am vierten Tag fing es wieder an.
            Würgen.
            Spucken.
            Stärker als zuvor.
            Es hörte nicht auf.

            Die Menschin war sofort da.
            Kein Zögern diesmal.
            Die Transportbox stand schon bereit.
            Sie nahm Kiki. Ganz vorsichtig.

            Ich rief nach ihr.
            Sie antwortete mit ihrem leisen „Bussi“-Ton.

            Dann wurde sie rausgetragen.
            Die Tür ging zu.
            Und dieses Mal…
            kam sie nicht mehr zurück. 💚


            ​ IMG_9743.jpg
            Angehängte Dateien

            Zuletzt geändert von Melli83; 19.04.2026, 00:40.

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              #51
              Das ist eine sehr traurige Geschichte.
              Kiki war Makro-positiv?

              Viele Grüße aus OWL von Siggi, Paulinchen, Albert, Rosemarie und Steffi
              Hilde und Hedwig werden immer in meinem Herzen sein.

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                #52
                Leider ja.
                Und dem Verlauf (und der späteren Autopsie durch die vkTA) nach, muss sie den Pilz schon sehr lange in sich gehabt haben. Ihr Drüsenmagen hatte bereits einen irreparablen Defekt und eine Ausbuchtung gebildet.
                Sie war nur 9 Monate bei mir, wurde da gerade 6 Jahre alt.
                Und zwischen dem erneuten Ausbruch und ihrer Erlösung waren gerade mal 1 1/2 Wochen. Es ging also schnell bergab.

                Die letzten beiden Geschichten mit Kiki sind eine Art Nachruf.
                Ich habe zwei Versionen geschrieben, kann mich aber nicht entscheiden, welche die Schönere ist.
                Deswegen poste ich einfach beide.



                🌟🪽 Kikis letzter Halbkreis

                Es war ein stiller Abend im Vogelbüro.

                Die Sonne war schon fast hinter den Bergen verschwunden, und das Zimmer lag in goldenem Licht. Spatz und Ruby dösten auf ihren Ästen, und Blue saß wachsam auf seiner Stange – wie ein kleiner Wächter, der nicht schlief, bevor er sich sicher war, dass alles in Ordnung war.

                Und da war Kiki.

                Sie wirkte schwach, aber ihre Augen funkelten noch ein letztes Mal schelmisch. Neben ihr lag ihr geliebtes Spielzeug – die Kette mit den bunten Holzkugeln.

                Ganz langsam, aber bestimmt, hob sie das Lederband an.

                Ein winziger Schwung nach links – tock.
                Ein letzter Schwung nach rechts – tock.

                Blue beugte sich sanft zu ihr, als wolle er sagen:
                „Ich pass auf dich auf.“

                Dann ließ Kiki das Spielzeug los, kuschelte sich in ihr Gefieder und blickte in den Raum.

                Vielleicht sah sie die Tropfen der letzten Dusche, die sie so gern vom Gitter leckte. Vielleicht sah sie auch das Chaos ihrer Truppe, die ohne sie nie dieselbe sein würde.

                Die anderen schwiegen.

                Blue hielt den Platz neben sich frei, wie er es immer getan hatte.

                Und für einen Moment schien es, als leuchtete Minion-Bob ein kleines bisschen heller – als wollte auch er ihr Lebewohl sagen.

                Kiki schloss die Augen, mit einem zufriedenen, stillen Ausdruck.

                Und irgendwo, da, wo es keine Krankheiten gibt, wo immer eine frische Gurke bereitliegt und die Wassertröpfchen wie kleine Diamanten glitzern, beginnt sie jetzt schon wieder, ihren Halbkreis der Zerstörung zu schwingen – frei, stark und voller Leben.

                💚
                ​

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                  #53
                  💚🪽 Kiki, das kleine Engelchen

                  Der Abend war still. Die Sonne tauchte das Vogelzimmer in warmes Licht, und für einen Moment schien alles friedlich wie immer. Doch die kleine Truppe spürte: Heute war etwas anders.

                  Kiki, das Engelchen mit den schwarz-weißen Flügeln, saß leise auf ihrer Stange. Sie war müde, sehr müde – und trotzdem funkelten ihre Augen noch einmal so, wie immer, wenn sie etwas zum Auseinandernehmen entdeckt hatte.

                  Blue war dicht bei ihr.
                  Der sonst so eifersüchtige, manchmal polternde Blaumann verwandelte sich in diesen Tagen in einen sanften Wächter. Immer wieder setzte er sich vor sie, stupste sie vorsichtig an, als wollte er prüfen, ob sie noch da ist. Dann blieb er einfach sitzen, hielt den Platz neben sich frei, plusterte sich schützend auf und warf jedem einen ernsten Blick zu, der zu nahe kam.
                  Sein Schnabel berührte sie immer wieder ganz sanft, als wollte er sagen: „Ich bin hier. Ich passe auf.“

                  Auch Ruby, die sonst so gern kopfüber durch die Nacht turnte, ließ Kiki nicht aus den Augen. Sie setzte sich dicht neben sie, schob ihr kleine Körnchen hin und stupste sanft an ihre Wange. Wenn Kiki nickte, blieb Ruby still bei ihr, so lange sie konnte.

                  Und Spatz? Der Casanova tat, was er am besten konnte: Er erzählte Geschichten. Er zwitscherte leise, von Gurkenkönigen und Staubsauger-Arien, und versuchte, mit seinen kleinen Liedchen das Zimmer aufzuhellen. Er tat so, als wäre alles normal – und doch schaute er immer wieder hinüber zu Kiki, mit diesem Blick, der verriet: „Bitte bleib.“

                  Kiki sah sie alle an, ihre kleine Chaos-Truppe, und ihre Augen glänzten voller Liebe.
                  Dann schlug sie noch einmal die Flügel – diese wunderschönen Engelsflügel – und für einen kurzen Moment sah es aus, als würde das ganze Zimmer heller werden.

                  Sie lehnte sich an Ruby, ließ Blue noch einmal an ihrer Seite wachen und hörte Spatz’ leises Lied.
                  Und dann schloss sie die Augen, friedlich, getragen von ihrem Schwarm – und flog davon, dorthin, wo keine Krankheit mehr existiert.

                  Dorthin, wo immer Gurkenstücke warten, wo Wassertröpfchen glitzern und wo ein kleiner Engel mit schwarz-weißen Flügeln schon wieder fröhlich den Halbkreis der Zerstörung schwingt.

                  💚 So bleibt sie bei uns: als mein Engelchen. Und in den Herzen von Spatz, Ruby und Blue ist sie nicht weg – sie ist nur vorausgeflogen.
                  ​

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                  •   Werbung nur für Gäste


                    #54
                    Beide Geschichten sind so rührend.
                    Mein Beileid noch zum Heimflug von Kiki.
                    Jetzt ist sie das Engelchen mit glitzernden Wassertropfen. Schön wenn man das Leid in Worte fassen kann.
                    Liebe Grüße von den Piepsies aus Halle-Saale

                    Kommentar


                      #55
                      Danke MsMarple



                      🪶 Ruby erzählt

                      Darf ich mich vorstellen?
                      Mein Name ist Ruby.

                      Ich wohne hier zusammen mit Kiki, Spatz und Blue.
                      Und heute erzähle ich euch meine Geschichte.

                      Blue und ich sind zusammen aufgewachsen.
                      Wir wurden gemeinsam aus unserem Familienschwarm zu einem Menschen geholt, der uns in einen winzigen, runden Käfig gesetzt hat.

                      Dort habe ich viel gelernt. Zum Beispiel, wie man jeden einzelnen Zentimeter Raum nutzt.
                      So habe ich herausgefunden, dass man auch wunderbar dösen kann, wenn man kopfüber am höchsten Punkt des Käfigs hängt.

                      Blue hat mich damals schon oft vom Futter verdrängt.
                      Es gab ja nur einen Napf.

                      Später kamen wir zu anderen Menschen.
                      Der Käfig war etwas größer als der erste. Aber eher hoch als breit.
                      Zum Flattern war also immer noch nicht viel Platz.

                      Das Futter – wenn ich mal etwas abbekommen habe – war sehr lecker.
                      Schön süß.

                      Die kleine Menschin dort war nett.
                      Sie durfte mich manchmal sogar am Bauch streicheln, wenn ich mich wieder einmal vor Blue im Gitter in Deckung gebracht hatte.

                      Aber in dieser Familie lebte auch eine Katze.
                      Und sobald es dunkel wurde, kam sie näher.
                      Sehr viel näher.
                      Sie setzte sich vor den Käfig und versuchte uns zu fangen.

                      Vielleicht sind wir genau deshalb irgendwann hier gelandet.
                      Bei der netten Menschin.

                      Dort lebten schon zwei andere Wellensittiche.
                      Spatz und Kiki.

                      Und sie hatten ein großes Haus.
                      Ein richtig großes.
                      Eines, in dem man sogar ein Stück flattern konnte.

                      Als ich dort ankam, habe ich nicht lange gezögert. Ich wollte zu den beiden.
                      Sie sahen nett aus. Und Kiki hat immer so schön gerufen.

                      Aber bevor ich zu ihr gegangen bin, wollte ich mir erst einmal den Bauch vollschlagen.
                      Blue hatte nämlich noch nicht verstanden, wie man in dieses große Haus hineinkommt. Also konnte ich wenigstens ein einziges Mal in Ruhe fressen.

                      Spatz war neugierig.
                      Kiki beobachtete mich nur aus der Ferne.

                      Und als Blue schließlich doch den Weg hinüber gefunden hatte, hing er sofort an Spatz’ Federzipfel und ließ ihn nicht mehr aus den Augen.

                      Aber kaum setzte ich mich an den Futternapf…
                      kam er natürlich auch schon wieder angerannt.
                      Und verdrängte mich.


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                        #56
                        🪶 Ruby erzählt – fast Freundinnen

                        Tagein, tagaus war es dasselbe Spiel.

                        Ich futterte.
                        Und Blue rannte an, um mich vom Napf zu verjagen.

                        Kiki war leider auch nicht viel besser.

                        Wenn ich mich zu nah neben sie setzte, pickte sie nach mir.
                        Wenn ich am Futternapf war, pickte sie mich weg.
                        Wenn wir zusammen auf dem Käfigdach saßen, pickte sie mich ebenfalls weg.

                        Aber wir sind zumindest manchmal zusammen geflogen.
                        Kiki flog viel besser als ich.
                        Mit ihr bekam ich mehr Übung.

                        Nur Spatz war immer freundlich zu mir.
                        Eigentlich ist er zu jedem freundlich.

                        Wenn er an den Napf wollte, nickte er erst kurz mit dem Kopf – so, als würde er fragen, ob er jetzt dürfe.
                        Oder er wartete einfach, bis ich fertig war.
                        Er war auch der einzige, der noch mit mir gebalzt hat.
                        Früher hat Blue das auch gemacht.
                        Aber seit er sich in Spatz verliebt hat, war das vorbei.

                        Irgendwann wurde Kiki krank.
                        Spatz hat das ja schon erzählt.
                        Als sie so dasaß und würgte, kam ich zu ihr und versuchte einfach, bei ihr zu sein.

                        Von da an suchte Kiki immer öfter meine Nähe.
                        Wir futterten zusammen am Napf auf dem Käfigdach.

                        Wenn wir dort nur saßen und dösten, rückte sie manchmal ein kleines Stück näher.
                        Und noch ein kleines Stück.
                        Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, sie wollte anfangen, mit mir zu balzen.
                        Aber ich hatte immer Angst, dass sie mich gleich wieder picken würde.
                        Also bin ich vorsichtshalber weggegangen.

                        Eines Tages saß Kiki wieder am Futternapf und tat, was man dort eben so tut.
                        Ich hätte auch gern etwas gefuttert.
                        Also setzte ich mich ein kleines Stück daneben und wartete.

                        Kiki sah mich.
                        Sie nahm eine Haferflocke aus dem Napf.
                        Ganz vorsichtig legte sie sie neben sich – direkt vor mich – auf die Sitzstange.
                        Ich glaube, sie wollte mir etwas abgeben.
                        Aber ich traute mich nicht.
                        Ich blieb einfach sitzen.
                        Also nahm sie die Haferflocke wieder auf und legte sie zurück in den Napf.

                        Wie dem auch sei.
                        Meine Stellung im Schwarm ist klar.

                        Kiki ist die Dominanteste von allen und lässt sich von niemandem etwas sagen.
                        Spatz ist nach Kiki der Chef.
                        Blue ist mir allein schon körperlich überlegen.
                        Mit meinen vierzig Gramm komme ich einfach nicht gegen den rüpeligen Dicken an.

                        Aber ich habe mich daran gewöhnt.
                        Und ich bleibe vorsichtig.
                        Man weiß ja nie.
                        ​

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                        •   Werbung nur für Gäste


                          #57
                          🪶🪽 Die Gerüchteküche brodelt

                          Im Vogelbüro war es ungewöhnlich still.
                          Spatz mümmelte ein paar Körnchen, Ruby saß etwas abseits und blickte in die Ferne, und Blue plusterte sich nachdenklich auf.

                          Plötzlich piepste Spatz verschwörerisch:
                          „Ich hab was gehört.“
                          Blue zog sofort die Augenbrauen zusammen.
                          „Das klingt nach Ärger.“

                          Ruby hob den Kopf.
                          „Jetzt sag schon.“
                          Spatz plusterte sich wichtig auf.
                          „Die Menschin fährt morgen zum Züchter.“
                          Stille.
                          Dann gleichzeitig:
                          „WAS?!“

                          Blue stellte sich sofort breit hin.
                          „Also gut. Wenn hier jemand Neues reinkommt, brauchen wir klare Regeln.“

                          Spatz war sofort begeistert.
                          „Ich sage, er soll Gurkenprinz heißen! Dann sind wir zusammen König und Prinz!“

                          Blue verdrehte die Augen.
                          „Lächerlich. Der braucht einen seriösen Namen. Irgendwas mit Autorität. Maximus. Oder besser: Chef.“

                          Ruby flatterte dazwischen – kopfüber hängend natürlich.
                          „Hallo? Vielleicht wird’s ja eine Sie. Und überhaupt: Es soll doch ein süßer Name sein! Wie wär’s mit Lumi? Oder Oreo?“

                          Spatz nickte nachdenklich.
                          „Oder Pico. Wenn er klein und frech wird.“

                          „SPATZ!!!“ knurrte Blue sofort, als Spatz verträumt ergänzte:
                          „…oder sie.“

                          Ruby kicherte.
                          „Ach Blue, entspann dich doch mal. Vielleicht bringt der Neue einfach wieder ein bisschen Schwung rein.“

                          Blue stapfte einmal über die Stange.
                          „Kein Name, bevor ich ihn kontrolliert habe.“

                          Für einen Moment wurde es ruhiger.
                          Fast so, als würde jemand zuhören.
                          Spatz sah kurz zur Seite.
                          Ruby legte den Kopf schief.
                          Blue plusterte sich ein kleines bisschen mehr als nötig.

                          Dann war es wieder vorbei.

                          Spatz nickte entschlossen.
                          „Gurkenprinz bleibt auf der Liste.“
                          Blue seufzte schwer.
                          „Maximus auch.“
                          Ruby grinste.
                          „Und am Ende entscheide sowieso ich.“

                          Und irgendwo zwischen all den Vorschlägen lag ein unausgesprochener Gedanke in der Luft:
                          Egal, wer kommt…
                          Er wird hier sowieso alles durcheinanderbringen.

                          Und einen Tag später schoss ein hellblauer kleiner Düsenjet durchs Vogelbüro, ignorierte sämtliche Sicherheitsbestimmungen und setzte sich einfach mitten hinein.
                          Der Name Gurkenprinz war damit offiziell vom Tisch.

                          Was Blue bis heute nicht verarbeitet hat.
                          ​

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                            #58
                            🪶🪽 Willkommen, Loki

                            Es war ein ganz normaler Tag im Vogelbüro – bis plötzlich die Tür aufging und ein neuer Wind durchs Zimmer flatterte.
                            Im wahrsten Sinne des Wortes.

                            Loki, hellblau mit dunklen Flügeln, schoss aus dem Transportkorb wie ein kleiner Düsenjet und landete ohne Umschweife mitten im großen Käfig.

                            Spatz blinzelte verdutzt.
                            „Äh … wer hat den eingeladen?“

                            Blue plusterte sich auf wie ein Security-Chef am Napf und donnerte:
                            „Erstens: Spatz gehört MIR. Zweitens: Nach Spatz bin ICH hier der Boss! Alles klar, Neuling?“

                            Loki neigte nur kurz den Kopf, pickte ein Körnchen – und zwitscherte so ungerührt, dass Blue fast vom Ast fiel.

                            Ruby hüpfte näher, noch unschlüssig, und beugte sich leicht vor.
                            Loki beugte sich zurück.
                            Zwei Wellis, die sich verbeugen – wie ein offizielles Begrüßungsritual.

                            Ruby grinste.
                            „Na gut… der hat Stil.“

                            Spatz flatterte ein Stück näher, immer noch skeptisch.
                            „Du siehst Kiki ähnlich … und du klingst sogar wie sie.“
                            Loki zwitscherte fröhlich zurück, als wäre das selbstverständlich, und putzte sich seelenruhig die Flügel.

                            Blue schnaubte, stampfte einmal extra laut mit der Kralle auf die Stange und knurrte:
                            „Ich behalte dich im Auge.“
                            Spatz seufzte.
                            „Ach Blue, du behältst doch jeden im Auge.“

                            Ruby kicherte.
                            „Vor allem, wenn’s ums Futter geht.“

                            Und Loki?

                            Der zwitscherte einfach weiter, schaute neugierig in jede Ecke und tat so, als hätte er schon immer hier gewohnt.

                            Und irgendwo, ganz leise, klang ein vertrautes, helles Zwitschern durch den Raum.
                            IMG_9766.jpg
                            ​

                            Kommentar


                              #59
                              Ha, ha,......Gurkenprinz...... ich schmeiß mich weg...
                              Mal wieder tolle Geschichten...

                              schöne Grüße
                              Elsbeth

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                              •   Werbung nur für Gäste


                                #60
                                Werbung nur für Gäste

                                Zum Gurkenprinz ist er trotzdem geworden 😂 Er zerfetzt Gemüse (und vor allem Gurke) mit großer Leidenschaft.
                                Dadurch weiß ich: die Wurf (oder Spuck-)Reichweite von Gurkenpopel liegt bei ca. 1,5 Metern 😆


                                🪶🪽 Der, der mich ausgesucht hat

                                Eigentlich hatte ich einen ganz bestimmten Welli im Kopf.
                                Einen hübschen kleinen Spangle-Buben. Vielleicht violett. Vielleicht ein kleines bisschen wie Kiki.
                                Zumindest dachte ich das.

                                Also stand ich beim Züchter zwischen lauter wunderschönen Wellensittichen und versuchte, vernünftig zu bleiben.

                                Spoiler:
                                Hat nicht funktioniert.

                                Überall saßen kleine Federbälle. Manche vorsichtig. Manche neugierig. Manche mit diesem typischen Blick von:
                                „Der Mensch ist groß. Sehr groß. Bitte Abstand.“

                                Und ich verstand das vollkommen.

                                Dann streckte ich langsam einen Finger an einen der Käfige.
                                Ein paar Wellis rückten sofort nach hinten. Andere beobachteten nur vorsichtig.
                                Und einer kam nach vorne.

                                Hellblau. Dunkle Flügel. Wache Augen.
                                Er kletterte ohne großes Nachdenken direkt heran, legte den Kopf schief … und knabberte erst einmal meinen Finger an.
                                Nicht fest.

                                Mehr so:
                                „Hm. Interessant. Wird überprüft.“

                                Ich musste lachen.

                                Der kleine Kerl hatte offenbar beschlossen, dass Vorsicht Zeitverschwendung ist.

                                Während die anderen noch überlegten, ob man Menschen überhaupt trauen kann, stand dieser kleine Flauschkopf schon halb in meiner Privatsphäre.

                                Und ich merkte sofort:
                                Der ist anders.
                                Nicht ruhiger.
                                Nicht braver.

                                Sondern mutig neugierig.
                                So neugierig, dass die Angst einfach keinen Platz mehr hatte.

                                Der Züchter erzählte irgendetwas über Farben, Linien und Charakter.
                                Ich hörte nur noch halb zu.
                                Denn der kleine Blaue hing inzwischen wieder an meinem Finger, als hätte er beschlossen:
                                „Gut. Dich nehm ich.“

                                Zwischendurch zeigte mir der Züchter noch einen anderen Hahn.
                                Einen älteren Welli.
                                Ungefähr in Rubys Alter.
                                Ein gesetzter Mehrfach-Papa.
                                Ruhig. Hübsch. Vernünftig.

                                „Der würde wahrscheinlich gut passen“, meinte er.
                                Aber irgendetwas daran fühlte sich nicht richtig an.

                                Vielleicht, weil er Spatz und Blue schon wieder ähnlich sah.
                                Vielleicht, weil er mich kaum anschaute.

                                Und vielleicht auch, weil der kleine hellblaue Rabauke inzwischen schon wieder an meinem Finger hing.

                                Der Züchter lachte leise.
                                „Sie wird den Kleinen wahrscheinlich gar nicht ernst nehmen.“

                                Ich schaute zu dem jungen Welli hinüber, der gerade versuchte, meinen Ärmel zu untersuchen.
                                Und mein Herz sagte ganz eindeutig etwas anderes.

                                Eigentlich wollte ich mir einen Vogel aussuchen.
                                Aber auf der Heimfahrt wurde mir langsam klar:
                                Das hatte Loki selbst übernommen. 💙🪽
                                ​

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