ich hoffe, Ihr seht es mir nach, wenn ich mir heute einfach mal was von der Seele schreibe:
Seit knapp einem Jahr besuche ich nun regelmäßig welli.net und bin beeindruckt über die vielfältigen Hilfestellungen, die hier geboten werden. Außerdem ist es nicht zu übersehen, dass viele überaus freundschaftlich miteinander verbunden sind und Anteil an den Höhen und Tiefen des anderen nehmen.
Was mich aber erschüttert, sind die unzähligen Berichte über Todesfälle junger und jüngster Vögelchen, die vielfältigen Leiden, die enorme Häufigkeit von Megabakterien, Tumoren und anderen Krankheiten. Das hat mich manchmal so deprimiert, dass ich die Seite nicht aufgerufen habe. In einem hier empfohlenen Buch ("Wellensittiche verstehen und artgerecht halten") schreibt die Autorin auch, dass Wellensittiche derzeit kaum mehr älter als 4-6 Jahre alt werden, was sie durch verschiedene Studien untermauert.
Wir halten seit über 20 Jahren Wellensittiche, wir haben auch schon mal ein Einjähriges verloren, wir haben auch schon gegen Tumore gekämpft und verloren, gegen Megabakterien und gewonnen. Aber dennoch sind unsere Pieper oft 10 Jahre oder älter (der älteste 16) geworden und die meisten mussten nie zum Tierarzt.
Wenn ich das alles hier so lese, beschleicht mich immer häufiger der Gedanke, meine derzeitigen Wellensittiche als meine letzte Generation anzusehen. Wellensittiche scheinen heute so degeneriert (Inzucht) zu sein, dass die genannten Krankheiten immer häufiger und immer früher auftreten. Wahrscheinlich hatten wir bisher einfach unglaubliches Glück und dafür bin ich dankbar. Wellensittiche nur ein paar wenige Jahre - wenn überhaupt - zu haben und sie dann meist qualvoll sterben zu sehen, möchte ich nicht, da verzichte ich dann lieber ganz. Offensichtlich ist das Lebensalter, das erreicht wird, ja auch weitgehend unabhängig von den Haltungsbedingungen.
Unter unseren Wellis haben die von verantwortungsvollen Klein/Hobbyzüchtern übrigens am längsten gelebt (keiner weniger als 8 Jahre), die aus Zoohandlungen und von Züchtern, die auch auf Ausstellungen gingen, am kürzesten. Von den Tierheim-Piepmätzen kennen wir die Herkunft nicht.
Ein anderes Thema, das mir hier in den Berichten im Laufe der Monate noch aufgefallen ist, ist die offensichtliche Ahnungslosigkeit vieler, auch vk Tierärzte. Und wenn ich vergleiche, was sich z.B. in der Pferdemedizin in den letzten 10 Jahren getan hat und wie man in der Vogelmedizin auf der Stelle tritt, ist das einfach zum Heulen (mit Vögeln ist ja aber auch kein Geld zu machen...).
Ich hoffe, Ihr verzeiht mir diese melancholischen Töne in der allgemeinen Begeisterung.
Kleiner Prinz





. Sehr oft finde ich übrigens in welli.net einen ehrlichen und ungeschminkten Rückblick auf die Vergangenheit und frage mich, ob es bis in die 80er Jahre hinein überhaupt artgerechte Wellensittich-Haltung gab. Auch wir waren (als Kinder) vom besten Willen beseelt, gingen mit unserem Einzelvogel, der in einem viel zu kleinen Käfig saß, brav zum Kleintier-Tierarzt, der aber völlig ahnungslos war und mit der Stange im Nebel herumfuhr. Wenn ich heute versuche, es meinen Wellis so schön wie möglich zu machen, dann schwingt immer auch der Versuch einer Wiedergutmachung an diesem armen Tierchen mit...
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