da ich hier immer mal wieder schreibe und um Rat frage, habe ich mir mal gedacht, dass ich jetzt mal was schreibe, was auch Anderen in Zukunft etwas bringen könnte.
Es geht um den Verlauf einer Niereninfektion unserer kleinen Dame.
Vor rund 1,5 Wochen hat es begonnen (leider kurz vor dem Einzug eines neuen Vogels zu unserem Paar).
Unsere Lilly (ca. 15 Monate alt) schien plötzlich nicht mehr besonders munter, und kratzte sich unentwegt an der Kloake.
Sowohl mit Hilfe ihres Schnabels, als auch mit ihrem rechten FUß.
Bei genauerer Betrachtung, obwohl schwierig, da sie recht aufgeplustert war, erschien die Kloake rot und entzündet.
Das war an einem Wochenende, und unsere Sorgen wuchsen...was könnte es sein? Nur Verdauungsprobleme, Durchfall + Entzündung, oder gar Legenot? Ich habe viel gelesen, und hatte auch ein Paar Vermutungen, doch wie soll man das schon genau sagen?
Jedenfalls beschlossen wir, sie genaustens zu beobachten, und erstmal das Wochenende abzuwarten, es sei denn, es wäre ganz schlimm geworden.
Nach dem Wochenende dann wurde es mit dem Kratzen dann etwas besser, was uns ein wenig beruhigte, doch unsere Dame schien immer noch sehr geschwächt und kränklich. Hinzu kam, dass wir plötzlich bemerkten, dass sie das rechte Füsschen nicht mehr belasten wollte. Sie saß in Schonhaltung, zog dieses ein, und bewegte sich nicht viel. Auch humpelte sie, und hatte dadurch Koordinationsschwirigkeiten...ach herrje.
Was war denn da los? Nur eine Zerrung wegen des vielen Kratzens? Oder doch etwas innerliches, das auf einen Nerv drückt; gar ein Tumor?
Es war klar; das Tier muss zum Doktor.
Termin beim vogelkundigen TA in der Nähe ausgemacht, und weiter beobachtet. Das mit dem Fuß wurde immer schlimmer, und es wurde deutlich, dass sie diesen gar nicht mehr belasten konnte (auch greifen ging nicht gut); entweder fehlte dort das Gefühl, oder sie hatte Schmerzen...wer weiss das schon.
Am Freitag waren wir dann endlich beim Tierarzt, und dieser stellte dann nach seiner Untersuchung, und nach unseren Schilderung der Symptome (auch grüner und flüssiger Kot war dabei) seine Diagnose.
Er erklärte uns, dass es höchstwahrscheinlich eine Niereninfektion sei. Es sei denn, unsere Henne wäre in Wirklichkeit ein Hahn (zugegeben; die Wachshaut lässt da den Schluss nicht immer gleich zu), dann könnte es auch ein Hodentumor sein. Er gab uns ein Antibiotikum mit, das wir ihr jetzt eine Woche lang täglich verabreichen müssen; und dann will er sie sich in einer Woche nochmal ansehen.
Da wir uns sehr sicher sind, dass es eine Henne ist (die Wachshaut ändert oft ihre Farbe, und zwischendurch ist es ein sehr weiblicher Ton, hofften wir jetzt eben, dass die Nierendiagnose stimmt; obwohl auch das nicht ganz unkritisch ist, und ja auch chronisch werden kann).
Jedenfalls; nun zur Behandlung, und zum Verlauf.
Da mit der tägl. Medikamenteneinnahme ein Fangen einhergeht, besorgten wir uns weisse, sehr dünne, Baumwollhandschuhe aus der Apotheke, damit sie die Prozedur nicht zu sehr mit unseren Händen in Verbindung bringt (man muss sagen, dass sie generell recht zutraulich ist, auch wenn sie nicht immer Bock hat, auf die Hand zu hüpfen).
Nun wird also seit Samstag täglich abends abgedunkelt, der Vogel aus dem Käfig "gescheucht", und dann nach etwas hin-und-her, mit dem Käscher eingefangen. Dann heisst es: Schnabel auf, Spritze rein und Schlucken. Ach die Arme; danach würgt sie 10 Minuten lang, verschmiert sich teilweise das Zeug im Gesicht, und sieht aus, wie ein Geier. Keine schöne Wellihenne, hehe.
Während der Prozedur ist sie relativ ruhig. Sie wird unruhig, sobald das Licht ausgeht, und der weisse Handschuh im Käfig ist, und dann ist erstmal Terror angesagt, doch nach kurzem Geschimpfe, wenn der Käscher über sie gestülpt wird, wird sie dann wieder leise. Klar; sobald die Spritze in den Schnabel geht, wird zwar gestrampelt und manchmal gebisssen, doch zu Zweit können wir diesen Vogel irgendwie bändigen
.Nun zum Verlauf:
Bis Montag hat sich nicht viel getan; und natürlich; die stressige Prozedur führte nur noch vermehrt dazu, dass sie oft sehr müde wirkte. Sie suchte sich eine Ecke, wo sie auf der Stange Ruhe hatte, und döste. Nicht sehr schön; und auch immer mehr besorgniserregend.
Dann; eben ab Montag; hatten wir plötzlich das Gefühl, dass es besser wurde; also das mit dem Fuß. Wir hatten natürlich Angst, dass hier mehr unser Wunsch der Vater des GEdankens war, doch sah es so aus, als ob sie diesen rechten Fuss mehr belastete. Doch wir waren uns nicht sicher.
Doch seit gestern sind wir uns relativ sicher, dass es wieder aufwärts geht. Noch vor der Behandlung saß sie, wie sooft in den letzten Tagen trübe in der Ecke (doch das taten die Anderen auch; war wohl grad ne allgemeine Ruhephase), doch nach der Medikamenteneingabe (da war es natürlich zu Ende mit der Ruhe), konnten wir sie mal wieder in Aktion erleben. Und siehe da; das Huhn belastet den Fuß wieder deutlich. Auch greift dieser schon fast komplett um die Stangen herum. Ab und an zog sie ihn auch mal wieder zur Schonung hoch, doch insgsamt wirklte sie agiler, aktiver und auch sicherer auf ihren Beinchen.
Anfänglich habe ich dies nur als direkte Antwort auf den Stress abgetan, doch im Laufe des Abends wurde es zunehmend deutlich, dass sie Fortschritte zu machen scheint. Sie folgte endlich mal wieder den anderen Beiden, hüpfte sogar auf den Vogelbaum, um sich dort an dem Hirseball zu vergehen, und zur Freude meinerseits, nam sie wieder Kolbenhirse aus der Hand an (die Tage davor war sie da sehr lustlos), und hüpfte sogar wieder auf diese, um besser ranzukommen. Sie scheucht auch wieder den Hahn, wenn er ihr im Weg rumsteht.
Also; ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.
Die Prozedur wird jetzt bis Freitag so fortgeführt, und dann wird es wohl nochmal zum TA gehen.
Wir hoffen, dass dies jetzt ein akuter Zwischenfall ist/war, und dass die Antibiotikumskur das erledigt, und dass nichts mehr überbleibt. Natürlich auch, dass das mit dem Fuß wieder gut wird; humpeln wäre ja nicht schlimm, doch Schmerzen soll die Kleine ja nicht haben.
Wir sind jedenfalls im Augenblick sehr froh und zuversichtlich, und hoffen, dass dieser Aufwärtstrend sich die nächsten tage hält.
Wie sind denn so Eure Erfahrungen mit Niereninfektionen? Woher kommt das denn wirklich? Unser Tierarzt meinte, dass es da viele unterschiedliche Ursachen geben könnte (auch das Leitungswasser wollte er nicht ausschliessen, weshalb er uns zu Mineralwasser ohne Kohlensäure riet).
Jedenfalls; nochmal zu dem Einfangen, und wie sie dies aufnimmt. Wir haben uns wirklich Sorgen gemacht, dass dadurch ihr Vertrauen zu uns komplett erschüttert werden würde, doch ich muss sagen, dass ich da wirklich überrascht bin. Wie gesagt; sie ist immer noch sehr ruhig, wenn man sich ihr nähert, und wie oben beschrieben, hüpft sie, zumindest bisher, weiterhin auf die Hand, um an Hirse dranzukommen. Woran das liegt, dass es so gut funktioniert; keine Ahnung; vermutlich an der Kombination unserer Maßnahmen; also Dunkelheit, weisser Handschuh, etc.
Also; für die Zukunft; keine Angst vor dem TA; bringt euren kranken Vogel unbedingt hin; die verkraften mehr, als man den kleinen Rackern zutrauen würde.
Gruß





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