Beide sind 9 Jahre alt und mit etwa 3 Monaten zu mir gekommen.
In all diesen Jahren waren sie immer gesund und munter, ich brauchte keinen Tierarzt.
Mein vorheriges Pärchen wurde knapp 12 Jahre alt, auch die beiden mussten nie zum Tierarzt.
Ich fragte also bei verschiedenen Tierärzten nach, auf der Liste hier im Forum gibt es nur eine einzige Tierärztin, die im Saarland praktiziert.
Dort habe ich als erstes angerufen, mir wurde aber gesagt, sie würden niemanden mehr annehmen, sie hätten Engpässe, es wäre ja auch ein weiter Weg (45km) und man gab mir dort eine Telefonnummer von einer anderen Tierärztin, die sich angeblich mit Vögeln auskennt.
Von mir aus allerdings noch weiter, 60 km.
Ich habe dort angerufen, gleiches Spiel, so oft würden sie keine Vögel behandeln, von Untersuchungen auf PBFD und dergleichen wüssten sie nichts.
Also habe ich bei allen Tierärzten in der Umgebung nachgefragt, fast alle sagten, sie behandeln keine Wellensittiche, und bin letztendlich bei einer Tierärztin gelandet, die sich gut anhörte und auch die gängigen Krankheiten zu kennen schien.
Von mir aus zum Glück nur etwas über 10 km.
Heute waren wir dort und ich habe einen guten Eindruck, habe aber ja auch keine Vergleichsmöglichkeiten.
Nun zu den beiden Patienten.
Jacob hatte in all den Jahren nie irgendetwas, fliegt super gern in seiner Voliere und liebt seine Amelie.
Zum Jahreswechsel kam er in die Mauser, aber die wollte gefühlt nicht aufhören.
Wochenlang lagen jeden Tag Federn in und um die Voliere herum.
Vor zwei Wochen sah ich dann, dass sein Bäuchlein kahl ist.
Beide sind nicht handzahm, ich kann zwar Futter und Wasser austauschen, die Voliere sauber machen ohne dass sie herum flattern, aber auf die Hand kommen sie nicht und in die Hand habe ich sie auch nie genommen.
Also muss ich "von außen" versuchen zu erkennen wie es um ihn steht, was sich nicht ganz so einfach gestaltet, da meine Augen nicht mehr die besten sind.
Ich erkannte jedenfalls einen kahlen Bauch und seither recherchiere ich und versuche herauszufinden, was los ist.
Da beide nicht zahm sind und ein Einfangen, Transport zum Tierarzt und Untersuchung großen Stress bedeutet, war ich sehr unschlüssig, ob ich abwarten sollte oder nicht.
Als erstes habe ich angefangen, hier zu lesen und begonnen, das Futter umzustellen und zusätzlich Korvimin zu geben.
Vermutlich hätte ich es dabei belassen, wenn mir nicht kurz darauf ein seltsames "Gebilde" im Schnabelwinkel von Amelie aufgefallen wäre.
Amelie ist ebenfalls nicht handzahm, aber auch nicht übermässig panisch.
Als sie mit 3 Monaten zu mir kam konnte sie fliegen, etwa 2 Monate später kam ich morgens an den Käfig und er war übersät mit Federn, kleine und große.
Seither kann die kleine Dame nicht mehr fliegen, zeigte aber ansonsten keinerlei Unwohlsein.
Amelie war damals als Gefährtin für meinen 11 1/2 jährigen Hahn eingezogen, weil seine Partnerin kurz zuvor verstorben war.
Eigentlich wollte ich für Amelie einen Hahn suchen, sobald mein Felix auch gegangen wäre, aber ich merkte recht schnell, dass Felix zwar außer sich vor Glück war, wieder einen Welli bei sich zu haben, die Kleine ihn aber überforderte und Amelie selbst unterfordert war.
Also suchte ich nach einem passenden Hahn und ein paar Wochen später zog Jacob ein.
Sie waren dann noch ein halbes Jahr zu dritt, bis Felix eines Nachts still und leise über die Regenbogenbrücke flog, zu seiner Nicole.
Bis dahin war er aber munter und glücklich, Gesellschaft zu haben, während es bei Jacob und Amelie von der ersten Sekunde an die große Liebe war.
Als Amelie plötzlich nicht mehr fliegen konnte, war Jacob gerade eine Woche bei uns.
Natürlich recherchierte ich auch damals was das sein könnte, zumal sie ansonsten genau wie immer war, futterte, mit Jacob flirtete, keine Anzeichen für einen Unfall oder eine Verletzung zeigte.
Und natürlich stolperte ich über Polyoma und PBFD.
Dann dachte ich mir, dagegen könne ich sowieso nichts tun, die Vögel waren jetzt schon lange genug zusammen, dass sie sich angesteckt haben könnten, züchten wollte ich nicht, weiteren Zuwachs auch nicht.
Also beließ ich es dabei, gestaltete die Voliere um, so dass Amelie alles fußläufig erreichen konnte, baute Sitzbrettchen ein und wartete ab, hatte es aber immer im Hinterkopf.
9 Jahre lang ging es beiden blendend, jetzt haben plötzlich beide eine Baustelle, wenn auch jeweils unterschiedlich.
Bei Amelie sah es tatsächlich so aus, als könnten das Grabmilben sein, bei Jacob allerdings nicht.
Da ich nicht auf Verdacht irgendwelche Medis auf die Vögel tropfen wollte, zumal die ja auch erhebliche Nebenwirkungen haben, blieb jetzt nichts mehr übrig als der Gang zum Tierarzt.
Ich hatte zwei handelsübliche Transportboxen, aber die allein erschienen mir verdammt unsicher und für die Vögel sicherlich äußerst stressig.
Also holte ich aus unserem Keller zwei ältere Transportboxen für Katzenkitten.
Ich habe früher im Tierschutz mit Katzen gearbeitet und immer wieder mal Kitten aufgepäppelt, da hatte ich die Kittenboxen noch übrig.
In die Vogel Transportboxen habe ich Küchenpapier gelegt, die Stange entfernt und jeden Welli in eine eigene Box gesetzt.
Diese Vogelboxen habe ich dann in die Kitten Tranportboxen gestellt, funktioniert, wenn man das Gitter vorn zum Rein und Rausholen komplett abmacht.
So untergebracht war es für die Wellis tatsächlich so komfortabel wie möglich, sie waren doppelt gesichert und es war schön dämmrig in den Boxen.
Sie haben während der Fahrt sogar gezwitschert und sich miteinander unterhalten.
Das Einfangen, insbesondere von Jacob, war weniger schön. Ich hatte alles abgedunkelt, Amelie war schnell in der Hand und hat sich recht gelassen in die Box setzen lassen.
Jacob fand das allerdings oberblöd und als ich ihn endlich hatte, hat er mir fast den Finger amputiert.
Beim Tierarzt wurden sie dann gewogen, Amelie hat 36 Gramm, Jacob 42 Gramm, damit war die Tierärztin zufrieden.
Vom Gesamteindruck der beiden ebenfalls.
Amelie war zuerst dran, die Tierärztin sah von außen drauf, leuchtete alles mit einer Lampe aus, um evtl. Bohrgänge der vermuteten Grabmilben zu sehen.
Fehlanzeige, die Wachshaut ist glatt, es gibt keine Gänge.
Dann öffnete die Tierärztin den Schnabel der Kleinen und da sahen wir das Elend.
Was außen sichtbar war war nur "die Spitze des Eisberges" wie die Tierärztin sich ausdrückte.
Die Wucherung drinnen war größer.
Noch kann die Kleine fressen, atmen und zwitschern, aber lange wäre das nicht mehr gut gegangen.
Die Tierärztin war selbst erstaunt, weil sie beim ersten Ansehen so munter und gesund aussah.
Sie hat mich gefragt, was ich machen will, als Therapie gäbe es ausschließlich eine Op, bei der das Gewächs komplett entfernt wird.
Das müsste allerdings unter Narkose geschehen und sie arbeitet am liebsten mit Inhalationsnarkose.
Für mich war die Entscheidung klar, Amelie ist munter und lebenslustig, sie leidet aktuell nicht und ich werde sie operieren lassen.
Natürlich birgt das ein Risiko und mir ist auch klar, dass das teuer wird, aber ich denke, Amelie hat die Chance verdient.
Ich wollte ja, dass auf PBFD/Polyoma untersucht wird, die Tierärztin meinte aber, sie würde das Gewächs nach Entfernen einschicken und wenn es sich um eine Virengeschichte handelt, würden dort Zellen gefunden.
Dann war Jacob dran, der wehrte sich wieder heftig, und bei ihm ist das Ausmaß der kahlen Stelle so im Licht betrachtet auch deutlich größer als ich es beim Vogel in der Voliere erkennen konnte.
Bei ihm ist aber sonst absolut nichts krankheitsauffälliges zu finden, so dass die Tierärztin meinte, mit Futterumstellung und Vitaminen wäre ich auf dem richtigen Weg, viel mehr könne man nicht tun.
Bis zur Op soll ich Kot von den beiden sammeln, der wird nächste Woche dann auch noch untersucht.
Die Rückfahrt haben die beiden gut überstanden, jetzt erholen sie sich in ihrer Voliere, zwitschern und futtern.
Nächsten Mittwoch haben wir Op Termin für Amelie, da könnte ich alle Daumen brauchen.
Aktuell von gerade eben:



und Wellizehchen 



, dass deine Amelie die OP morgen gut packt und die Wucherung vollständig entfernt werden kann.
die Fanny & Co.


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