
Es begann im Februar mit dem durchsehen der berüchtigten Kleinanzeigen. Ich entdeckte eine Anzeige ohne Foto, mit dem Text:
"Wellipaar zu verkaufen, einer davon leicht krank"
Ich hörte zum Glück auf mein Bauchgefühl und rief dort an um mich nach dem leicht kranken Welli zu erkundigen. Nach der Beschreibung her hörte es sich nach Grabmilben an, die laut Anbieter aber bereits vom Tierarzt behandelt wurden. Es wäre keine weitere Behandlung erforderlich.
Ich machte einen Abholtermin für den nächsten Tag aus und als ich dort die Wellis sah,
traf mich fast der Schlag

Ich versuchte kurz, dem Mann zu erklären, daß der Vogel mehr als leicht krank wäre und dringendst fachkundig behandelt werden müsse, aber verstanden hat er es wohl nicht.
Die Henne (die wir Hope tauften) konnte so gut wie nichts mehr sehen, da ihre Augen von den Milbenkrusten komplett überwuchert waren und die Füße waren nur noch eine wunde Masse. Mir drehte sich der Magen um. Der Hahn (vermutlich ihr Bruder, wir tauften ihn Hans) sah erstaunlicherweise recht gut aus, bis auf einen zu langen Schnabel.
Also habe ich die Zwei ganz schnell eingepackt, dem Mann das Geld (ja, er wollte auch noch Geld für die Wellis haben) in die Hand gedrückt und mich auf den Weg nach Hause gemacht.
Dort angekommen, haben mein Mann und ich beide Wellis sofort mit Ivomec behandelt und Hope mit Paraffinöl eingepinselt. Das war gar nicht so leicht, denn es gab eigentlich keine Stelle am Körper, die noch heil war.
Schmerzmittel hat sie natürlich auch für die ersten Tage bekommen.
Überflüssig zu erwähnen, daß sie kurz vorm verhungern war.
Dann begannen fürchterliche Tage für uns alle. Die Krusten lösten sich nach dem einpinseln, allerdings mit starken Blutungen, sodaß wir ständig Angst hatten, sie würde es nicht schaffen.
Sie saß die ersten Wochen nur auf einem Fleck auf ihrem Baumwollseil und versuchte ihr Gewicht so zu verlagern, daß die Schmerzen nicht so schlimm waren.
Zum Glück fraß sie wenigstens die Hirse, die ich direkt neben sie hängte und regelmäßig gedreht habe, damit sie immer gut rankam.
Beim Tierarzt ließen wir den fast eingewachsenen Ring entfernen und sie bekam Antibiotikum gegen die Entzündungen der Haut.
Da sie mit allem überfordert war, haben wir sie und Hans die ersten Wochen mit einem Trenngitter trennen müssen.
Ihr Tag bestand nur aus schlafen, fressen und wieder schlafen. Zwischendurch rieb sie sich unter erbärmlichen Quiekgeräuschen das Köpfchen an der Kolbenhirse.
Als sie nach einer gefühlten Ewigkeit ganz langsam ins Leben zurückkehrte, haben wir uns riesig gefreut. Auch wenn wir uns erst nach Wochen getraut haben, daran zu glauben, daß sie es schaffen wird.
Aber die kleine Maus hat sich ganz tapfer zurück ins Leben gekämpft und mittlerweile ist sie eine so süße und lebenslustige Wellihenne, daß man denken könnte, alles wäre nur ein böser Traum gewesen.
Ich muß wohl nicht erwähnen, daß sie und ihr Bruder ein lebenslanges Zuhause bei uns gefunden haben

Durch diese und weitere Notfälle, die wir in letzter Zeit aufgenommen haben, sind wir aber dringend darauf angewiesen, zumindest für die vermittelbaren Wellis gute Plätze bei verantwortungsvollen Haltern zu finden, um auch in Zukunft helfen zu können.
Aktuell suchen diese zwei ganz entzückenden und lebensfrohen Wellihähne zusammen ein schönes Zuhause in einem kleinen Schwarm. Sie sind mittlerweile gesundheitlich absolut unauffällig:




Wie schön die beiden sind.

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