Argumente für Einzelhaltung entkräften – Tipps für „Partnervermittler“
Viele Vogelfreunde sind heute glücklicherweise überzeugt, dass nur Paar- oder Schwarmhaltung artgerechte Vogelhaltung ist. Leider ist dieses Bewusstsein noch nicht bei allen verbreitet.
Vielleicht kennen auch Sie einen Einzelvogel und möchten seinen Besitzer überzeugen, einen Zweitvogel anzuschaffen. Klasse! Dieses oft heikle Thema erfordert jedoch eine Menge Fingerspitzengefühl.
Zunächst sollte man überprüfen, ob sich der Besitzer überhaupt seiner Haltungsfehler bewusst ist!
Immer noch hält sich hartnäckig der Irrglaube, Wellensittiche könne man problemlos einzeln halten, wenn man sich „ausreichend mit ihnen beschäftige“ und für einsame Stunden einen Spiegel oder Plastikvogel bereithalte. Viele Vogelhalter hatten vielleicht schon in ihrer Kindheit einen Einzelvogel und wissen nicht, dass ihr Welli sich über einen Partner freuen würde.
Hier bietet es sich an, zunächst einmal vorsichtig nachzuhaken: „Oh, was für ein süßer Fratz! Aber ganz allein…? Ist der Partnervogel gestorben?“ Wenn darauf ein erstauntes „Nein, der war doch immer allein!“ folgt, kann man freundlich und auf keinen Fall vorwurfsvoll erklären, warum Wellensittiche Gesellschaft brauchen – den allermeisten Vogelhaltern liegt das Wohl ihrer Lieblinge sehr am Herzen und sie sind durchaus bereit, den Missstand zu beseitigen! Vielleicht freut sich der Besitzer, wenn man ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, was es bei der Anschaffung eines Partners zu beachten gibt. Viele ehemalige Einzelhalter werden es schon nach ein paar Wochen nicht mehr fassen können, dass sie mal nur einen Welli hatten.
Leider gibt es auch die andere Einzelhalterfraktion – diejenigen, die sich bewusst sind, dass Einzelhaltung für ihr Tier nicht optimal ist, die aber dennoch keinen Zweitvogel wollen. Hier lautet die Devise (auch wenn es schwer fällt!): Freundlich bleiben, denn Anklagungen führen oft erst recht zu Ablehnung! Gute Argumentation und viel Geduld ist die bessere Strategie.
Denn viele Bedenken, die einem zweiten Vogel entgegenstehen, lassen sich leicht entkräften!
Dazu soll diese Argumentationshilfe dienen, die häufig genannte Einwände widerlegt.
„Ich habe Angst, dass mehrere Vögel nicht zahm werden!“
Der Irrglaube, dass Paarvögel nicht zahm werden, ist ein sich hartnäckig haltendes Gerücht. Es gibt zahlreiche Schwarmbesitzer, deren Sittiche sehr zutraulich sind und sich ohne Furcht aus der Hand füttern lassen – und genauso viele Einzelvögel, die ihr Leben lang scheu bleiben. Der Charakter des Vogels und die Geduld, die der Halter investiert, spielen eine größere Rolle als die Einzelhaltung!
Wer das nicht glaubt, kann sich beispielsweise auf
Links sind nur für registrierte Mitglieder sichtbar. überzeugen; in der Rubrik „Gemeinsam zahm“ finden sich zahlreiche Beweise, dass auch viele Vögel zutraulich werden können.
„Dann lernen die Wellis nicht sprechen!“
Es ist wahr, dass Schwarmvögel nur sehr selten sprechen lernen und oft weniger auf den Menschen fixiert sind. Aber dabei sollte man bedenken, dass das Sprechen eigentlich eine Verzweiflungstat ist: Der Wellensittich hat keine Möglichkeit, in seiner eigenen „Sprache“ zu kommunizieren und ist angewiesen auf die Aufmerksamkeit, die ihm seine Menschenfamilie entgegen bringt. Er merkt vielleicht, dass er gelobt wird und Zuwendung erfährt, wenn er Worte nachahmt – doch die Tatsache, dass Wellis nur äußerst selten sprechen, wenn sie mit Artgenossen zwitschern können, zeigt ja, dass die meisten Vögel, wenn sie die Wahl haben, lieber „wellensittisch“ sprechen!
Man sollte sich fragen, was einem wichtiger ist – das zugegebenermaßen oft lustige und niedliche Geplapper, das sich bei näherer Betrachtung aber eigentlich als Verhaltensstörung entpuppt, oder das abwechslungsreiche Balzverhalten und Spielen eines Vogelschwarms?
„Mehr Vögel kosten mehr Geld!“
Auch dieses Argument kann man so nicht gelten lassen.
Natürlich braucht ein Pärchen oder gar ein Schwarm mehr Platz – aber ein angemessen großer Käfig muss ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein, wenn man Vögel anschaffen will.
Das gleiche gilt für die Kosten. Ein weiterer Schnabel mehr zu stopfen fällt finanziell kaum ins Gewicht, denn das kostspielige Zubehör muss so oder so angeschafft werden.
Zumindest ein Pärchen kostet nicht sehr viel mehr als ein einzelner Vogel – wer hier schon an seine Grenzen stößt, sollte sich die Anschaffung generell zweimal überlegen, denn eine gewisse finanzielle Rücklage muss vorhanden sein, um z.B. unvorhergesehene Tierarztkosten tragen zu können. Wer ein Tier hält, übernimmt auch in dieser Hinsicht Verantwortung.
„Zwei Vögel machen mehr Arbeit!“
Für einen Schwarm mag dies zutreffen – doch ein oder zwei Wellensittiche machen in dieser Hinsicht keinen nennenswerten Unterschied. Ob man den Käfig von zwei Vögeln reinigt, den Wasserspender für einen oder für zwei füllt oder ob man für die doppelte Menge Federn staubsaugt, spielt keine große Rolle. Ein wenig Dreck macht jeder Welli – wen das zu sehr stört, sollte seine Wohnung vielleicht lieber gar nicht mit Vögeln teilen.
„Mein Vogel verträgt sich nicht mit anderen!“
Zweifellos ist es nicht immer einfach, einen Wellensittich, der jahrelang alleine gelebt hat, zu vergesellschaften. Aber das bedeutet nicht, dass man es nicht versuchen sollte!
Tatsächlich hat sich gezeigt, dass die meisten Vögel sich auch nach Jahren noch gut an Gesellschaft gewöhnen und danach wie ausgewechselt sind.
Hier ist es ratsam, mit entsprechenden Erfahrungsberichten von gelungenen Vergesellschaftungen aufzuwarten. Das Flugblatt „Nie mehr allein – Vögel vergesellschaften“ hilft mit Informationen, was dabei zu beachten ist.
„Mein Vogel ist glücklich!“
Vermutlich das schwierigste Argument – hier kann man nur versuchen, dem Besitzer klar zu machen, dass viele der Indizien für das Wohlfühlen des Vogels eigentlich Alarmsignale sind. Extreme Zahmheit und auch das Sprechen sind im Grunde nichts weiter als „Verzweiflungstaten“ des Wellensittichs, der als soziales Wesen so sehr Kontakt sucht, dass er mangels Artgenossen auf die Aufmerksamkeit seiner Menschen angewiesen ist.
Das Anbalzen eines Spiegels oder Ähnlichem ist für den Sittich sehr frustrierend und kann im schlimmsten Fall zur Kropfentzündung führen, weil er eben nicht reagiert wie ein echter Vogel.
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Nun bleibt eigentlich nichts weiter, als viel Erfolg zu wünschen – und man darf nie vergessen: Jeder Vogel, dessen Haltung verbessert wird, ist ein Fortschritt und ein kleiner Erfolg!
Es hat sich während der letzten Jahre sehr viel geändert im Bewusstsein, was vor allem unermüdlicher Aufklärungsarbeit zu verdanken ist. Und wer weiß – vielleicht gehören Einzelvögel bei uns eines Tages genauso der Vergangenheit an wie Goldfischgläser und Hahnenkampf – eine schöne Vorstellung, oder?