Hallo Dilara,
In einem solchen Fall macht man dann das, was man beim Menschen auch tut: Einige Minuten Druck auf die Wunde ausüben. Das verringert die Blutfluss in den kleinen und großen Gefäßen, wodurch an der Wunde selbst die Blutgerinnung einsetzen kann. Die Wunde sollte mit einer sterilen Kompresse und Druck behandelt werden, wenn kein Blutstiller zur Hand ist. Niemals, wirklich niemals sollte man irgendwelche anderen Dinge wie Mehl oder Speisestärke in die Wunde einbringen. Genau wie man bei Menschen auf gar keinen Fall Mehl oder Butter auf Verbrennungen geben sollte, das ist auch so ein hochgefährlicher "Tipp", den man immer wieder liest und der zu schweren Wundinfektionen und schlimmer Narbenbildung führen kann.
Wer das schreibt, denkt nicht an die Folgen. Glaub mir, es geistern eine Menge gefährlicher Ratschläge im Web und auch in Zeitschriften und sonst wo herum. Es sind angeblich Ratschläge aus Großmutters Zeit - und da kommen sie vermutlich tatsächlich her, weil man damals noch nicht wusste, welche verheerende Wirkung sich daraus ergeben kann.
Doch, das ganz simple Abdrücken der Wunde. Das ist immer die beste Wahl, wenn kein Blutstiller zur Hand ist.
Schau mal, ein Tier, das schon Blut verloren hat und in dessen Wunde man dann noch etwas reinkippt, das zu einer lokalen Infektion oder gar zu Sepsis führen kann, hat den Wundkomplikationen nach dem Blutverlust doch kaum noch etwas entgegen zu setzen! Da sollte man lieber tunlichst darauf verzichten, eine Wunde zu verschmutzen und sie lieber mit einer sterilen Druckkompresse behandeln. Es ist schön und gut, das Verbluten zu verhindern, aber der Vogel ist nicht außer Gefahr, wenn er vom Blutverlust geschwächt ist und dann möglicherweise etwas durch die Behandlung in den Körper bekommen hat, das ihm gar nicht gut tut. Verstehst Du, was ich meine?
Ja, da hast Du Recht, es ist wirklich schlimm, dass der Tierarzt nichts gesagt hat.
Nochmal zur Klarstellung: Ich wollte Dich nicht angreifen, aber dieser Mehl-Ratschlag kann im Einzelfall sowas von tödlich ausgehen, das konnte ich nicht stehen lassen!
Also bitte, liebe Mitleser, immer schön merken: Druck, Druck, Druck. Das ist das Beste, wenn Ihr keinen Blutstiller im Haus haben solltet. Man kann übrigens Kompressen aus dem Verbandskasten nehmen, die abgelaufen sind. Solange sie dicht verpackt sind, halten sie sich auch noch zwei, drei Jahre länger, als das Mindesthaltbarkeitsdatum es angibt. Im Verbandskasten des Autos darf man sie dann zwar nicht mehr haben, aber um einen Vogel damit zu verarzten, der gerade blutet, sind sie dennoch bestens geeignet.
Viele liebe Grüße,
Gaby

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aber was hätte man denn in so einer Situation auf die Schnelle machen sollen?
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